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Eine Welt aus Sicht der Kinder: “Babys”

Niedlich ist er allemal, der neue Film von Thomas Balmès und Alain Chabat. Ohne Erzähler und ohne Untertitel folgt die Dokumentation vier Babys von der Geburt bis zu den ersten Gehversuchen. Ponijao, lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Opuwo, Namibia, Bayarjargal, in der Nähe von Bayanchandmani in der Mongolei, Mari in Tokyo, Japan und Hattie in San Francisco, USA. Die Filmemacher versuchen, die Gemeinsamkeiten herauszustellen, die Lernprozesse chronologisch aneinanderzuschneiden. Das Fehlen der Kommentare verstärkt die Erzählweise aus Perspektive der Kleinkinder. Es gibt viele schöne und zum Teil ulkig-komische Szenen.
Allerdings sind sowohl die Auswahl der Protagonisten und Schauplätze (armes, ländliches Milieu in Entwicklungsländern, urbane Mittelschicht in Industrienationen), als auch die romantisierende und verklärende Weltsicht durchaus kritikwürdig. Regisseur Balmès äußerte sich in einem Interview zu der besonderen Herausforderung, das “konfliktfreie Leben von Babys” in eine Dramaturgie münden zu lassen. Wer jedoch Konflikte von vorn herein ausklammert und nur die heile Welt, im besten Falle noch eine Art verklärende Zivilisationskritik zeigt, der braucht sich über eine schwache Dramaturgie nicht zu wundern.
Konflikte gäbe es reichlich, von familiären Aspekten, über Gewalt bis zur Kindersterblichkeit. Der Film blendet all dies bewusst aus. Allerdings unterscheidet sich allein in den porträtierten Ländern die Kindersterblichkeit um den Faktor zehn. Von tausend Neugeborenen sterben bis zum fünften Lebensjahr in der Mongolei 39,9; in Namibia 45,5; in Japan 2,8; und in den USA 6,3 Kinder. Und schließlich gibt es in Entwicklungsländern auch Städte, Slums, Kriege, Hunger und in Industrieländern auch Dörfer, Vororte, Armut, Flüchtlinge usw. Das einzige Konfliktthema des Films scheint das Stillen zu sein. Durchaus brisant, wenn man nach der FSK-Freigabe in den USA geht. Dort erhielt der Film die Einstufung PG (Parental Guidance suggested) wodurch die Begleitung durch einen Elternteil oder Erwachsenen empfohlen wird.
Thomas Balmès und Alain Chabat wollten einen niedlichen Film; das haben sie geschafft. Und alles in allem ist das Ergebnis durchaus sehenswert. Auf eines sollte man sich jedoch gefasst machen: der Kinobesuch fühlt sich an wie ein auf den Abend ausgeweiteter Geburtsvorbereitungskurs für zukünftige Eltern, mit vielen runden Bäuchen, glücklichen Paaren und voller Harmonie.
Kinostart in Deutschland ist am 19. August 2010.
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