Angriff auf UN-Hilfskonvoi in Syrien | Kommentar

Das Vorfeld des Angriffs, das Nachspiel und meine Sicht der Dinge auf die Zerstörung des Hilfskonvois in Syrien.

Im Stellvertreterkrieg in Syrien geht es immer noch darum, dem Gegner seinen Willen auf zudrücken. Es gab einen kurzen Waffenstillstand, welcher inzwischen wieder vorbei ist. Die Lkws warteten lange Zeit an der Grenze zu Syrien auf türkischem Gebiet, bis sie endlich losfahren durften. Kurz darauf hat die Assad-Regierung in Syrien (der Despot, auf dessen Seite Russlands Armee steht) den Waffenstillstand aufgekündigt.

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Der Waffenstillstand wurde von den USA und Putins Russland ausgehandelt. Die USA stehen auf der Seite der gemäßigten, also demokratischen Opposition, die gegen die Regierung (also Assad und Russland) kämpft. Und es gibt noch eine dritte Fraktion, die Islamisten, wie der IS.

Warum auch immer die Lkws kurz davor oder kurz danach losfuhren, ihre Fracht bestand aus Lebensmitteln und Medizin für die eingeschlossene Zivilbevölkerung. Sie fuhren im Auftrag der UN. Wer diesen Konvoi zerstört hat, hat ein Kriegsverbrechen begangen.

Während des Waffenstillstand hat die USA Stellungen der Regierung mit Flugzeugen angegriffen. Russland hatte sich beschwert darüber und die USA entschuldigte sich. Man habe irrtümlicherweise die Ziele angegriffen. Es soll sogar einen Untersuchungsausschuss geben. Aber dass die USA mit ihrem NSA und der Waffentechnik einen solchen Irrtum begeht – ist für mich sehr fragwürdig. Schon einmal hatten die USA so gehandelt: Im Krieg in Belgien hatte man die Botschaft von China „ausversehen“ bombardiert.

Die USA glauben, dass Russland oder die syrische Armee diesen UN-Hilfskonvoi angegriffen zu haben. Wenn es wirklich ein Luftangriff war, kann es nur Russland, die USA oder die syrische Diktator gewesen sein – die Opposition und die Islamisten verfügen über keine Luftwaffe. Nun stellt sich die Frage, wer hätte etwas davon?

Kurz zuvor haben syrische Freiheitskämpfer einige Gebiete aufgeben müssen, einfach ob der Tatsache, dass sie keine Lebensmittel mehr hatten. Dies war ein Erfolg für den Diktator Assad und vielleicht hinterließ es einen Aha-Effekt. Vielleicht war es auch einfach eine Racheaktion für die US-Angriffe auf syrische Regierungstruppen zuvor?

Wenn man die Skrupellosigkeit Russlands bedenkt und dass man dort alle Register zieht – von Hackingangriffen und Medienkriege -; wenn man bedenkt dass es vermutlich schon die russische Armee war oder ihre Waffe, die das zivile Flugzeug MH17 über der Ukraine abgeschossen hatte; wenn man bedenkt dass Russland die Krim widerrechtlich annektiert hat; wenn man bedenkt wie Russland innerpolitisch vorgeht – lässt mir wenig Zweifel an der US-Auslegung, dass Russland diesen Angriff, wenn er denn aus der Luft kam, tatsächlich veranlasste oder zumindest unterstützte.

Es ist ein Stellvertreterkrieg, bei dem die USA mit Russland kämpft – nicht direkt, aber indirekt. Russland wird m.E. immer mehr zu einem faschistoiden Staat, der sich im Glanze alten faschistoiden Ruhms, an die Frage der Weltherrschaft klammert. Wie auch die USA, im Übrigen. Dieser Wettkampf der Nationen hat schon immer zum Krieg geführt.

22. September 2016 in Politik & Medien, Story-Kommentar

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