Arbeiten vs Schaffen | Wort-Einfluss auf die Mentalität

Die Einstellung macht oft den Unterschied aus und der Ursprung liegt oftmals am Wort und seiner Definition.

„Ich gehe heute arbeiten.“ oder „Ich werd heute etwas schaffen.“ – damit könnte ich den Beitrag schon beenden. Jetzt darf sich jeder beide Sätze laut vorlesen – Und? Wobei fühlst Du Dich besser? Der Ton macht die Musik, nicht wahr? Schaffen klingt einfach positiver, man verbindet damit etwas Kreatives. Er-schaffen oder man hat es endlich ge-schafft.

Arbeitsweg

Was ist das Schlüsselwort im ersten Satz? Arbeiten. Das Wort mag heute anders definiert werden als noch im Mittelalter, aber das Gefühl ist immer noch dasselbe wie im Mittelalter. Es ist Mühsal, es ist unangenehm, es ist eine Pflicht – man muss arbeiten, um zu überleben. Man macht so etwas nicht freiwillig, es ist eine Pflicht. Mit dem Erfolg mag auch diese Definition schwanken, aber für die meisten „Lohnsklaven“ hierzulande, ist es mehr Mühsal, als Selbstverwirklichung. Arbeit klingt nach Ausbeutung und „Lohnsklaverei“.

In einem Interview mit einem Hirnforscher sagte dieser ein Mal: Das Gehirn kann man nicht überfordern… Stress entsteht durch die Einstellung zu einer Situation. Und so reagiert das Hirn, m.E., auf das Wort „arbeiten“.

Das Wort ist Kultur und die Menschen sind Kulturwesen. Die Sprache beherrscht die Menschen, denn es ist das Kommunikationsmittel. Doch wie man in der Kommunikationswissenschaft weiß, ist Kommunikation unwahrscheinlich (Luhmann). Wenn ich sage „Stuhl“, hat doch jeder eine anderes Modell im Kopf – vom Bürostühl bis zum Holzstuhl. So braucht es Definitionen und wer die Definitionsmacht hat, hat viel Macht. Doch bei Begriffen wie Stuhl oder Arbeit kann man viel reininterpretieren. Arbeit ist eben ein abstrakter Begriff und Schaffen auch.

Im Süden der Republik sagen die Menschen oftmals nicht arbeiten; sie gehen „schaffa“, also Schaffen. Hier ist die Produktion und die Beschäftigungszahlen sind höher. Ich habe das subjektive Gefühl, dass man im Süden auch ein anderes Verhältnis zur „Arbeit“ hat. Es gehört dazu und obwohl viele Menschen einen normalen Job haben, gehen viele in der Freizeit einem Nebenjob nach. Naja, vielleicht wissen die sonst nicht, was sie machen sollen – gerade auf dem Land. Aber sie sehen es auch nicht so negativ (m.E.). Gerade im Handwerk, und im Süden gibt es den sogenannten „Handwerker Adel“, produziert man etwas. Nicht wie im Büro, wo man morgens einen Berg Zettel hat, den man den Tag über abbaut und am nächsten Morgen ist er wieder da. Dagegen ist der Stuhl vom beispielsweise Schreiner, etwas bleibendes, etwas Kreatives – es wurde kreiert.

Dazu muss man sagen, dass es eine Vollbeschäftigung, wie sie oftmals gefordert wird, unmöglich ist. So etwas gab es nur ein Mal in der Geschichte – nach dem Krieg. Aber nicht nur deswegen, weil viele im Krieg gefallen sind oder in Kriegsgefangenschaft waren, sondern auch, weil Frauen nicht arbeiten durften. Erst 1974 durften Frauen ohne Erlaubnis des Ehemanns arbeiten gehen – kein Scherz. Auch das ist Westdeutschland gewesen.

21. Januar 2015 in Kultur & Zuhause, Story-Kommentar

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