Arbeitsrealität in Deutschland

Die Diskussionen um den Mindestlohn in Deutschland sind müßig, wenn man die Realität von vielen Jobs kennt – der Unterschied zwischen der gesetzlichen Grundlage und der Realität.

Arbeitsvertrag

Der Mindestlohn ist umstritten. Wird es die Wirtschaft ruinieren, wenn wir den Menschen einen richtigen Lohn geben, heißt es da? Ohje, wir werden alle sterben… Das Ernährermodell hat ausgedient und heute werden die Menschen doch gut bezahlt und nutzen all ihre Rechte; mal von den Geringverdienenden abgesehen. Doch schauen wir doch mal in einige Ausschnitte deutscher Arbeitrealität:

Studijobs und die sozialen Abgaben

Jahrelang habe ich bei einer Firma gearbeitet als ich noch ein Student war und dort hatte ich keinen Urlaub, kein Krankengeld, keinerlei soziale Leistungen, wenngleich ich ja Lohn gekriegt hab. Vor Jahren war das normal, da hatte ja auch niemand ein Problem mit unbezahlten Praktika. Doch der Effekt war, ich bin auch krank zur Arbeit gegangen (ja, ich war jung und brauchte das Geld 😉 ), was den Effekt hatte, dass alle krank waren. Aber dafür habe ich jetzt natürlich auch keinen Rentenanspruch für die Zeit! Gewonnen hat der Unternehmer und das war ja auch von vorne herein so gewollt! Noch heute ist das so! Da hat sich gar nichts geändert, wer das in Frage stellt, wird rausgeworfen – schlicht und ergreifend.

Medienunternehmen und die Arbeitszeit

Gerade in Berlin gibt es sie überall, die Firmen die sich mit den Medien aller Arten beschäftigen. Seien es die ausgewachsenen Startups, die Online Marketing Firmen oder die Medienbeobachter – sie alle bedienen sich einer ähnlichen Strategie. Die Abwälzung der Arbeit auf wenige Mitarbeitenden.

Oftmals werden Praktikanten eingestellt, die werden zwar auch bezahlt, aber sind ja billige Arbeitskräfte. Da muss man aber auch dazu sagen, dass die Einführung in den Job viel Zeit kostet und sich das nur bedingt lohnt, bezahlte Praktika anzubieten. Aber der Faktor Arbeitszeit ist ein gewichtiger: Viele Arbeitsverträge – so auch meiner damals – implizieren, dass die Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Das ist gängige Praxis! Von wegen 40 Stunden, letztlich bleibt man ja immer länger, als das. Das ist so nicht einfach gültig, doch wer wehrt sich schon gegen sowas, wer weiß schon sowas? Ich kenne auch Firmen, bei denen das ausgeglichen wird, weil es sowas wie konkrete Arbeitszeiten nicht gibt, was aber auch dazu verführt, dass man mehr macht, weil man mehr Verantwortung hat.

Schaffa, schaffa, Häusle baua

Man arbeitet viel und macht viele Überstunden, weil man denkt, nur so kommt man voran. Und so ist es auch, aber die Frage am Ende bleibt, ob man es überhaupt schafft und noch viel wichtiger ist, war es das wirklich wert? Letztlich macht man schließlich jemand anderen reich, zumindest bei größeren Firmen.

28. Oktober 2013 in Story-Kommentar, Wirtschaft

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