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Aufbau oder Rückzug - bleiben oder gehen? Wie werden wir Afghanistan gerecht?

Afghanistan ist nicht erst seit 2001, dem Beginn des Krieges gegen die Taliban, eine geschundene und zerrissene Nation. Seit Jahrzehnten wird das Land von Unruhen und Kriegen erschüttert. Auch die internationalen Truppen haben es bisher nicht geschafft, der Bevölkerung Stabilität und Sicherheit zu bringen. Daher drehte sich die Diskussion am 22. Mai 2008 um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Marko Seliger, der Chefredakteur des Reservistenmagazins loyal, hält die Bundeswehr in Afghanistan bis auf Weiteres für unverzichtbar. Sie schützt die zivilen Entwicklungshelfer, bildet afghanische Sicherheitskräfte aus und engagiert sich im Wiederaufbau. Ohne die Militärmission wird es nach Seligers Überzeugung in Afghanistan weder Frieden noch Demokratie geben. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass sich der Einsatz noch mindestens 25 Jahre hinziehen wird. "Reine Propaganda", erwidert Jürgen Rose von der kritischen Soldatenvereinigung Darmstädter Signal. Sein Standpunkt: Die Truppen sind nicht in Afghanistan um zu helfen. Der Westen will lediglich seine geostrategischen und imperialen Interessen durchsetzen. Allerdings räumt Rose ein, dass ein sofortiger Abzug nicht realistisch ist. Er plädiert daher für einen Fünfjahresplan, in dem das Land zunächst befriedet, dann demokratisiert und schließlich in die vollständige Souveränität entlassen wird. Zwischen diesen beiden Polen steht Peter Hammermann. Als Entwicklungsbeauftragter des BMZ koordiniert er in Afghanistan die Zusammenarbeit der deutschen Akteure. Er hält die Anwesenheit der Bundeswehr für richtig und erforderlich, denn: "Keine Entwicklung ohne Sicherheit und keine Sicherheit ohne Entwicklung." Vor allem aber muss die afghanische Wirtschaft in Gang kommen. Nur wenn endlich Arbeitsplätze entstehen, wird sich dass Land dauerhaft stabilisieren. In der anschließenden Diskussion wurde vom Publikum noch eine Reihe brisanter Fragen angesprochen: die Legitimität des Tornado-Einsatzes, das schwindende Vertrauen in die NATO-Truppen, die Rolle der Taliban oder die wirklichen Interessen der USA in Afghanistan. Und auch wenn am Schluss kein Konsens gefunden wurde, so hat die Veranstaltung doch viele Denkanstöße gegeben - und damit ist bei aller Unklarheit über die Zukunft Afghanistans zumindest ein wichtiges Anliegen erfüllt.
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Tags: Afghanistan
