Entwicklungspolitik vielfältig, lebendig, jung
  • Hungrig? Satt? - Wie bewältigen wir die Welternährungskrise?

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    Weltweit steigen die Preise für Lebensmittel. Aber während wir uns über ein paar Cent mehr für Brot oder Milch ärgern, geht es für Millionen Menschen in den Entwicklungsländern um Leben und Tod. Doch was sind die Ursachen der Ernährungskrise? Gibt es zu wenig Nahrungsmittel, oder werden sie nur falsch verteilt? Sind die Spekulationen schuld? Oder der Biosprit, mit dem die Industrieländer ihr ökologisches Gewissen beruhigen? Und was können wir gegen Mangel und Hunger unternehmen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Diskussionsveranstaltung vom 10. Juli 2008. Für den ehemaligen FAO-Direktor Hartwig de Haen ist ein Bündel von Ursachen für die Krise verantwortlich: falsche Politik, schlechte Ernten, Biotreibstoffe, Spekulationen, Subventionen. Was also ist seiner Meinung nach zu tun? Erstens muss sich die Entwicklungshilfe auf verarmte Kleinbauern konzentrieren. Und zweitens muss der Westen seine üppigen Agrarsubventionen einstellen, denn sie treiben die Bauern in den Entwicklungsländern in den Ruin. Ähnlich argumentierte auch Suman Sahai, die Leiterin der Gene Campaign in Indien. Sie fordert die Rückbesinnung auf traditionelle Anbaumethoden ohne künstlichen Dünger und teurere Maschinen. Das größte Problem allerdings sind für Frau Sahai die Börsenspekulanten, die nach Immobilien und Öl jetzt Nahrungsmittel als Spekulationsobjekt entdeckt haben und die Preise künstlich in die Höhe treiben. Jürgen Kiefer ist einer dieser Spekulanten. Für ihn ist nicht zu viel, sondern zu wenig marktwirtschaftliches Denken das Problem, denn nur die Terminbörsen können faire Marktpreise ermitteln. Trotzdem plädiert er für schärfere Regeln, um die Auswüchse der Spekulation einzudämmen. Vorschläge dafür gibt es genug, sie müssen nur endlich konsequent umgesetzt werden. Das sind also die großen Räder, an denen die Politik drehen muss. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Direktorin von Brot für die Welt, sieht aber jeden Einzelnen in der Pflicht. Schon kleine Zugeständnisse im Alltag können in der Summe viel bewirken: seltener Auto fahren, ab und zu auf Fleisch verzichten oder häufiger Lebensmittel aus der Region kaufen. Gleichzeitig müssen die internationalen Rahmenbedingungen zu Gunsten der Menschen in den Entwicklungsländern verändert werden. In der intensiv geführten Diskussion wurde deutlich, wie komplex die Ernährungskrise tatsächlich ist. Sie betrifft viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen, die über den ganzen Globus verteilt und trotzdem eng miteinander verwoben sind. Umso wichtiger ist es, gemeinsam zu diskutieren und schnell Lösungen zu finden, denn die Fakten liegen auf dem Tisch.



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