Das Gefühl der 90er Jahre & das Erbe

In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts bestand ein futuristisches und positives Weltbild, so meine Erinnerung.

Die 90er Jahren war die letzte Dekade des letzten Jahrhunderts, kurz vor dem Millenium; welches übrigens erst im Jahr 2001 vollzogen war. Aber das Lebensgefühl war, so meine Interpretation als dichte Beschreibung, ein positives und der Zukunft zugewandtes. Das mag mit dem damals bevorstehenden Millenium, also Jahrtausendwechsel, zusammengehangen haben. Ein Indiz dafür war, dass alles mit dem Zusatz 2000 beworben worden.

90er Jahre Mercedes-Benz

Von Autos über Staubsauger bis zur Bäckerei – alles war mit dem Zusatz 2000 versehen. Ich vermutete ja im Jahrzehnt der 2000er Jahre würde man dann auf 3000 wechseln, aber es kam wieder ganz anders.

Auch Serien widmeten sich dem Millenium und eine hieß sogar so. Es war die Zeit von Akte X und anderen Serien, die oftmals übernatürliche Features hatten. Eine Gegenströmung oder der Hinweis auf das Ende eines Episteme: Ein Zeitabschnitt dessen Änderung durch die Sicht des Menschen auf sich selbst erfolgt. Sicherlich auch ein Gefühl von Unsicherheit im Anblick auf den Jahrtausendwechsel mit einem zunehmenden Schuss Spiritualität.

Es kam Techno und elektrische Musik auf und die Technik änderte sich, der Computer zog ins Zuhause ein – Stichwort Heimcomputer. Im Jahr 2000 fürchtete man ja auch, dass die Computer allesamt abstürzen würden, weil sie automatisch auf das Jahr 1970 umstellen würden. Die Handys kamen auf, noch keine Smartphones – aber man konnte von überall telefonieren, wo man Netz hatte.

Aber man stand auch noch unter dem Eindruck der Wende! Als die Mauer vor 25 Jahren fiel, dachten viele – jetzt wird alles besser. Die Welt werde friedlich und die Wirtschaft wird wachsen. Die NATO hatte kein Feindbild mehr und Russland wurde zunehmend kapitalisitischer. Damals unter dem stets angetrunkenen Boris Jelzin nahm man es auch gar nicht mehr recht ernst.

Ungebildete sprachen vom Sieg des Kapitalismus gegenüber dem Sozialismus. Helmut Kohl sprach von blühenden Landschaften, denn „das sind doch auch Deutsche“… Eine gewisse Naivität ist also vorrauszusetzen.

Der Naturschutz setzte sich in den 90er Jahren durch und wiedereinmal musste die CDU ihr Fähnchen wieder nach dem Wind ausrichten, da der konservative Stand ja auch schon zum Ablauf der Wählenden führte. Auch die Liberalisierung der Geschlechterrollen wurde angegangen – aber zeitgleich kam auch etwas auf, dass uns heute belastet: Der Neoliberalismus, also Profit um jeden Preis.

Das Ergebnis der Verstärkung dieser Idee des schnellen Geldes (Quick and Dirty), den man im kommenden Jahrzehnt verstärken würde, war und ist die Euro-, Wirtschafts- und Bankenkrise. Schließlich waren zum Schluss auch staatliche Banken und Privatleute involviert und hatten mit den Größten Schaden davon.

Lean State und der langsame aber sichere Abschied vom Sozialstaatsmodell – auch das nahm damals seinen Anfang. Immer mehr rückte, im Gegensatz zur Vorstellung, der Mensch aus dem Blickpunkt der Gesellschaft und immer mehr stand die Wirtschaft in diesem Zentrum – bis heute und es nimmt immer noch zu, aber es wird wohl bald seinen Gipfel erreicht haben. Oder?

Das Bild finde ich sehr symbolhaft für die 90er Jahre, respektive sind die Autos symbolisch für die jeweilige Dekade. Wenn man sich alte Fotos anschaut und herrausfinden will, von wann die sind schaut man sich die Mode und die Autos an 😀

28. Oktober 2014 in Kultur & Zuhause, Politik & Medien, Story-Kommentar, Technik & Internet

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