Egoismus vs Gemeinschaft

Die Politik, das soziale Zusammenleben – alles leidet unter dem vorherrschendem Egoismus.

Wenn man es mal runterbricht, worum es eigentlich geht – so gilt wohl die alte These von Aristoteles: Idiotes versus Zoon Politicon. Ja, unser Wort „Idiot“ kommt von dem alten Griechen Aristoteles.

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Platon: Lehrer von Aristoteles

Er teilte die Menschen in zwei Kategorien: Zum Einen die Egoisten, also Personen denen es nur um ihr Privatleben geht (Idiotes) und zum Anderen, die Menschen mit Sinn für die Gesellschaft, die Zoon Politikon – die politischen Lebewesen. Das Wort der Politik hat seine Herkunft im soziale Leben der antiken, griechischen Stadtstaaten.

Der Mensch ist nunmal ein Herdentier und kann ohne andere Menschen schlichtweg nicht existieren. Man ist angewiesen auf die anderen Menschen, vor allem in einer derart spezialisierten Gesellschaft wie unserer. Derart zahlen wir alle für die Infrastruktur und alle können sie benutzen.

Die Steuern nicht zu bezahlen ist ein Ding des Egoismus. Denn die ofterwähnten Unternehmen, die die Steuern „einsparen“, nutzen eine vorgefundene Infrastruktur. Wieso sollten gerade diese Unternehmen, die darauf angewiesen sind, nichts dafür zahlen?

In den Anfängen der Bundesrepublik Deutschland war der Steuersatz für das höchste Einkommen, der Spitzensteuersatz, bei über 90 Prozent. Heute liegt dieser Anteil bei unter der Hälfte – 42 Prozent. Das ist eine Form von Egoismus, die staatlich gewollt ist. Die private Rentenversicherung, die private Krankenversicherung, der gesunkene Anteil der Unternehmen an der Sozialversicherung – alles umgesetzter Egoismus. Und wie Aristoteles bereits herausfand (vor rund 2.500 Jahren!) ist das Gift für das Zusammenleben.

Der ganze Neoliberalismus ist wahrgewordener Egoismus – mit dem Vorteil für die Reichen. Viele Philosophen in der Geschichte haben sich diesem Thema gestellt und nahezu alle kommen auf den selben Trichter: Es ist das Ungleichgewicht oder eben der Egoismus. Marx sah in seiner Zeit der Kapitalismus als Ursache und der Kapitalismus ist eine Form von Egoismus. Wer Kapital hat, bekommt mehr. Wer nichts hat, muss sich mit Arbeit verdingen. Zwar sah Marx das unter dem Fokus von Macht und Herrschaft, aber es ist im Grunde Egoismus. Der Egoismus äußert sich in einem Vorteil.

Alle stimmt wohl auch nicht, denn die geisteswissenschaftliche Strömung der Religion, macht das Böse dafür verantwortlich. Das ist natürlich praktisch, da es nur eine Worthülse ist, die man nach Bedarf füllen kann. Der Krieg ist ein Egoismus, nach Ressourcen, Recht oder was auch immer. Und weil der andere nicht nachgibt, muss man eben Gewalt einsetzen.

Es ist der Wettbewerb, der Neid und der infantile Egoismus – die Idiotie, mit der Leute versuchen mehr zu bekommen, als andere. Mehr als ihnen zusteht. Die Konservativen stehen zu diesem Egoismus, von dem sie glauben, alle würden davon profitieren – wohl wissentlich, dass dem nicht so ist.

Die Faschisten wollen den Egoismus für ihre Gruppe legitimieren, die Länder wollen ihren Reichtum nicht teilen und schotten sich ab, der Nachbar will aber parken wo er will und die Landwirtschaft will nicht auf Gewinne verzichten – egal wie die Umwelt aussieht; der Eigennutz dominiert alles. Und jetzt, da man wieder sagen darf, was man denkt, fühlt man sich in der egoistischen Sicht bestätigt.

All unser tun, so sagte es einst der Philosoph Max Stirner sinngemäß, ist uneingeschränkter, uneingestandener und verheimlichter Egoismus. Keiner denkt mehr an den Nutzen der Gemeinschaft – angefangen von der EU bis zum Fahren eines SUVs. Von der Änderung der vorgefundenen Verhältnisse zum eigenen Nutzen, wie die Gentrification, über das unachtsame Wegwerfen von Müll in der Natur oder oder oder.

Die Liste könnte man beliebig lang weiterführen – es ist immer Egoismus und der Antrieb ist immer dem Bedacht auf den eigenen Vorteil geschuldet; ob aus Bequemlichkeit, zur Gewinnmaximierung oder ob des höheren Ansehens.

Wenn alle so denken werden, bricht die Gesellschaft im Nu zusammen. Wir wären nicht die erste Zivilisation, die ausgelöscht wurde! Aber vielleicht werden auch wir wieder ausgegraben

4. Dezember 2016 in Kultur & Zuhause, Politik & Medien, Story-Kommentar, Wirtschaft

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