Goslar: Fachwerkhäuser, Berge & Sehenswürdigkeiten der Geschichte

Eine Reise nach Goslar ist eine Reise in eine geschichtsträchtige Stadt im Harz.

Goslar ist eine bezaubernde Stadt mit viel Fachwerk und mittelalterlichen Relikten. Und da es im Harz gelegen ist, bietet es auch viele Möglichkeiten das bergige Umland zu erkunden.

Suedturm Marktkirche Goslar

Geschichte von Goslar

Die Siedlungsgeschichte der Stadt Goslar beginnt vermutlich schon vor der Römerzeit, aber mit den Römern ist es gesichert. Der Grund für die Siedlungen war schon damals der Erz der umliegenden Berge der Stadt. Spätestens seit dem 3. Jahrhundert nach der Zeitenwende wurde nach dem wertvollen Erzen gegraben. Embleme der Bergleute finden sich überall in der Stadt und auch in den Kirchen. Vor allem Silber und Kupfer wurde aus dem Rammelsbergwerk gefördert, der später zum Zankapfel des obersten deutschen Adels im Mittelalter wurde.

Goslar im Mittelalter

Im 10. Jahrhundert erscheinen auch die ersten Urkunden über Goslar. Der Name, der sich vermutlich zu der Zeit etabliert, referiert wahrscheinlich auf den Fluss Gose. Wo die erste Burg der Stadt stand ist umstritten, viele denken dass die erste Burg des 10. Jahrhunderts auf dem Georgenberg stand.

Ab dem 11. Jahrhundert wird Goslar zur Pfalz, was soviel bedeutet, als dass der Kaiser oder König hier seinen Sitz hatte. Im Fall Goslar war es der Kaiser aus der Linie der Salier – die Konrads und Heinrichs. In der Kaiserpfalz, die im 11. Jahrhundert erbaut wurde, fanden viele Hoftage und Synoden statt. Das bedeutet alles was Rang und Namen hat, findet sich in Goslar ein, wenn der Kaiser ruft. Der Kaiser war ab 1027 Konrad II. und danach dessen Sohn Heinrich III. Auch er hielt die Tagungen in Goslar ab und so bekam der Ort viele Stiftungen in Form von Kirchen. Auch der Salier-Adel wurde hier teilweise begraben, so das Herz von Heinrich III.

Heinrich IV. & Blutpfingsten 1063 in Goslar

Unter Heinrich IV. spielte sich in der Stiftskirche St. Simon und Judas das sogenannte Blutpfingsten 1063  ab. Dabei stritten der Abt Widerad aus Fulda mit dem Bischof Hezilo von Hildesheim darüber, wer neben dem Erzbischof sitzen darf. Schon im Jahr davor war darüber ein Streit entbrannt, doch 1063 war man bewaffnet vorbereitet. Es kam zu einem Chaos bei dem unterschiedliche Gruppen die jeweils andere versuchten aus der Kirche zu vertreiben. Eine Gruppe belagerte die andere drang dann, selbst bewaffnet, in die Kirche ein. Es war wie eine Schlacht – nur in der Kirche und vor den Augen des damals noch 13jährigen Königs, der erst später zum Kaiser werden sollte. Mit Ausgleichszahlungen entging Hezilo der formellen Anklage.

Im Jahr 1073 kam es zum Aufstand der sächsischen Herrschen, was zu den Sachsenkriegen führte – also Salier gegen Sachsen. Der zweijährige Krieg, der mit der Plünderung einer Städte einher ging, endet mit dem Triumph der Sachsen. Direkt danach ging es über in den Investiturstreit, wobei es um Frage ging, wer die Posten bei der Kirche vergeben darf – Kaiser oder der Papst. Worauf Heinrich IV seinen Gang nach Canossa antrat.

Streit um den Rammelsberg | Welfen vs Staufer

Der bereits erwähnte Streit um die Erze im Rammelsberg war nach dem Untergang der Salier als Kaisergeschlecht des Reichs. Inzwischen waren die Staufer an der Macht und haben die Salier abgesetzt. Im Jahr 1152 bekam der Welfe und Herzog von Sachsen und Bayern, Heinrich der Löwe, die Stadt Goslar zu Lehen. Seit 1235 gehört die hohe Gerichtsbarkeit zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Das waren Dankungen des damals noch freundschaftlichgesinnten Stauferkaiser, Friedrichs I. oder auch Barbarossa genannt.

Bergwerk Rammelsberg Goslar

Als es in Italien in den 70er Jahren des 12. Jahrhunderts zu Aufständen kam, organisierte Barbarossa einen Feldzug gegen Italien. Wieder sollte Heinrich Truppen schicken, aber der Löwe verweigerte dies. Ein Bruch der Traditionen, schließlich hatte der Löwe seinen Titel dem Kaiser zu verdanken. Stattdessen gründete er neue Städte, wie die heutige Stadt München. Der Name von den Mönchen herleitet, die er versuchte über den Tisch zu ziehen. Er baute eine Brücke über die Isar – vor den Mönchen gelegen.

Der Löwe fordert für den Beistand Goslar und alle Rechte daran. Der Kaiser verweigert dies, denn er ist ebenfalls knapp bei Kasse. Daraufhin zerstört Heinrich ab 1180 die Bergbau-Anlagen am Rammelsberg. Das führte zu Einnahmensverlusten für den Kaiser, da bis 1209 nicht geschürft wurde. Aber der Löwe musste kleinbeigeben und ging ins Exil. Heute wird übrigens nicht mehr geschürft, es ist nun ein Museum.

Noch 1198 belagerte Otto IV. Goslar, das von Philipp von Schwaben verteidigt wurde. Doch 1206 gelang es Otto IV, durch seinen Vassallen Gunzelin von Wolfenbüttel, schließlich und der Legende nach, war es der Verrat der Chefin des Klosters Neuwerk.

Unter Barbarossa endet die Blühte der Hoftage von Goslar. Die letzten Events waren, als man zwischen Welfen und Staufern vermittelte. Danach kam noch 1253 Wilhelm, Graf von Holland, nach Goslar und dann war die Ära als Pfalz Goslar beendet.

Goslar auf dem Weg zu Selbstbestimmung

Ab dem späteren Mittelalter und dem Ende der Stadt als Pfalz, ging es Goslar darum sich selbst zu regieren. Die Stadtrechte erhielt man und schon 1219 bildete sich ein Rat. Dieser bestand vor allem aus Kaufleute, die um die Schürfrechte schacherten. Doch die schlechte Technik führte zu einem Abnehmen der Erzförderung. So übernahmen 1267 die Räte die Macht, die sie bis 1566 inne hatten.

Sie bindeten Goslar an die Hanse an, was man vor allem für politische Ziele nutzte. Zudem setzte man im 12. Jahrhundert bereits auf ein zweiten Bein: Die Bierproduktion. Und es wurde Schiefer abgebaut, was sich an einigen Hauswänden der Umgebung findet. Im Jahr 1290 bekommt man die Vogtrechte und konnte sich des Einflusses der Geistlichkeit erwehren. Damit war man nur noch dem Kaiser unterstellt. Der offizielle Titel war „Reichsstadt“. Es bildeten sich Gilden und die Bergleute ließen sich nieder.

Im 16. Jahrhundert boomt der Bergbau wieder und das weckte Begehrlichkeiten. Die Stadt wurde belagert und die Verwirrungen führten zur Zerstörung einiger Klöster, darunter das Kloster St. Georg. Die Krise weitete sich aus, ohne dass der Kaiser einschritt. So wurde Goslar Teil des Schmakaldischen Fürstenbundes, die sich dem evangelischen Glauben verschrieben hatten. Doch der Bund verlor gegen Kaiser Karl V. und dieser belagerte Goslar im Jahr 1547. Die Stadt gab auf und verlor die Steuer-, Gerichts und Vorverkaufsrechte an Berg- und Waldarbeit. Goslar konzentrierte sich auf das Bier bräuen. Um diese Zeit gab es auch Hexenprozesse in Goslar, der 28 Personen zum Opfer fielen.

In der Hoffnung auf die Rechte an den Bergen um Goslar, setzte man im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) im Kampf Katholisch gegen Evanglisch auf den katholischen Kaiser. Doch der Rammelsberg blieb im Besitz der Welfen. In den darauffolgenden Kriegen des 18. Jahrhunderts wurde Goslar trotz Truppenstationierungen kaum beschäftigt. Doch im selben Jahrhundert wüteten auch die Flammen in Goslar, was zur Zerstörung der heutigen Barockkirche St. Stephani führte.

Nach der Säkularisierung wird Goslar Preußen zugeschlagen. Fortan versuchte man sich als Kurstadt im Harz. Zwar bekleckerte sich Goslar auch im Dritten Reich nicht mit Ruhm, aber es gab kaum Zerstörungen.

Wichtige Sehenswürdigkeiten in Goslar

Was man unbedingt in der Stadt Goslar gesehen haben muss, ist allen voran die Kaiserpfalz. Das riesige Gebäude ist schön gelegen und war der erste Bau seiner Art. Davor finden sich Reiterfiguren (Barbarossa und der Preußenkönig) und im inneren lockt ein Museum, aber vor allem der Kaisersaal. Dieser ist mit riesigen Gemälden geschmückt, die die Geschichte Deutschlands erzählen sollen – mit gefärbtem Pathos.

Aber auch die Innenstadt mit reichlich Fachwerkhäusern, aber auch einem Rathaus aus der Zeit der Gotik – sowieso der gesamte Marktplatz. Er bietet eine große Auswahl an interessanten Gebäuden. Dann gibt es noch den Nordturm der Kirche, den man hinaufsteigen kann. Der Ausblick lohnt sich! Die erwähnten Kirchen und es gibt noch eine Menge mehr, wie auch das Kloster Frankenberg und klar das Bergwerksmuseum Rammelsberg. Insgesamt etwa 50 Gebäude kann man aus dem Mittelalter in Goslar sehen.

4. Juni 2017 in Kultur & Zuhause, Story-Kommentar

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