Himmelsscheibe Nebra | Museum

Die Himmelsscheibe von Nebra ist die älteste Darstellung des Himmels in Europa. Eine spannende Geschichte dazu gibt es auch…

Die Himmelsscheibe von Nebra, so der offizielle Name, wurde in der Nähe von Nebra gefunden. Genauer gesagt auf dem Mittelberg in der Nähe des Ortes Kleinwagen, der zu Nebra gehört, und wo auch das Museum dazu steht. Eines vorne weg: Die Himmelsscheibe befindet sich aber nicht in dem Museum, sondern im Landesmuseum in Halle.

Himmelsscheibe von Nebra

Himmelsscheibe von Nebra

Grabräuber und der Fund

Die Himmelsscheibe wurde zusammen mit anderen Beigaben vor etwa im Jahr 1.600 vor unserer Zeitrechnung vergraben, darüber gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Sie entstand vermutlich vor über 4.100 Jahren in der frühen Bronzezeit und ist die zweitälteste Darstellung des Himmels der gesamten Menschheit. Ich denke das reicht, um darzulegen, wie wichtig dieses Artefakt ist.

Im Jahr 1999 haben zwei Grabräuber den Fund gehoben und wollten ihn illegal verkaufen. Übrigens darf man nur in Bayern so etwas veräußern, in allen anderen Bundesländern gehört das Schatz dem Land. Wo sie es verkauft haben, geht aus den Geschichten nicht hervor. Aber sechsstellige Beträge machten die Runde und so auch die Scheibe. Letztlich schalteten sich die Landesbehörden ein und in der Schweiz wurde man den damaligen Besitzern habhaft. Der Ort: Das Hilton in Basel drei Jahre nach dem Fund. Seit 2002 ist die Himmelsscheibe in Halle zu sehen.

Die eigentlichen Finder der Himmelsscheibe wurden 2003 zu Haftstrafen verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Inzwischen wurde das gesamte Areal drei Jahre lang untersucht, wofür man das Land vermessen, einige Kubikmeter Erde geschaufelt und sogar einige Bäume gefällt hat.

Bedeutung der Himmelsscheibe

Die Himmelsscheibe wurde in der Bronzezeit gefertigt, um an Hand der Sterne am Firmament die Kalendertage zu bestimmen. Die geniale Konstruktion ist aber nicht auf Anhieb zu durchschauen. Die Finder dachten, es wäre der Mittelteil eines Schildes, da auch Schwerter, Beile und Armreife aus Bronze gefunden wurden – wobei die Himmelsscheibe älter ist, als die anderen Dinge. Etwas ähnliches findet man nur im Grab des Fürsten von Leubingen – etwa 30 Kilometer entfernt.

Auf Grund der sieben Punkte rechts oberhalb des Mondes wurde klar, die Scheibe meint den Himmel. Die sieben Punkte sind die Plejaden (im Sternbild Stier), die aus der irdischen Perspektive sieben darstellen. Der große Punkt auf der Scheibe meint den Mond, wie auch die Sichel. Denn es ist keine Momentaufnahme des Himmels sondern stellt einen Zyklus dar. Der sogar das Schaltjahr impliziert, nur ist es hier nicht das Schaltjahr, sondern ein anderer Zyklus.

Wie schon beim Sonnenobservatorium Goseck, das in der Nähe liegt und dazu Verbindungen hat, kann man auf Grund des Stands des Mondes zu den Plejaden auf den Tag, respektive die Woche schließen.

Erst später wurden die seitlichen Bögen hinzugefügt. Dabei handelt es sich um den Sonnenauf- und Untergang an den Tagen der Sonnenwende. Derart konnte man den Lauf der Sonne abgleichen, wobei man sich am Brocken im Harz ortierte – denn es ist der höchste Berg in der Umgebung. Der untere Halbkreis soll vermutlich eine Barke darstellen, ein heiliges Schiff das die Sonne über den Horizont zieht – wie viele alten Kulturen glaubten.

Die Löcher, die man nun sieht, könnten daher stammen, dass man die Himmelsscheibe im Laufe ihres Lebens veröffentlichte. Man nähte sie vermutlich auf eine Form Standarte und zog mit ihr herum. Vom Berg in die Dörfer oder nur auf dem Berg, das ist unbekannt.

Was bringt es nun den Menschen in der Bronzezeit zu wissen, wann welche Woche ist? Ganz einfach: Man musste nun, wann man säen und wann man ernten konnte. Damit erhöhte sich der Ertrag und damit auch der Wohlstand. Eine ähnliche Idee verfolgte wohl auch Stonehenge und eigentlich gab es überall auf der Welt solche Konstruktionen. Die Person, die sich das Konzept ausgedacht hatte, war nicht nur reich, sondern auch sehr bewandert auf dem Gebiet. Womöglich der Fürst der Region, der vermutlich durch die Bronze zu Geld, Macht und Würden gekommen.

Die Scheibe, deren Gewicht man im Museum erheben kann, besteht aus Kupfer – das man aus den österreichischen Alpen herbringen ließ und wozu es im Museum eine gesonderte Ausstellung gibt – Zinn und Gold. Letzteres kam offenbar aus Cornwall in Großbritannien.

Warum sie um das Jahr 1.600 v. C. vergraben wurde ist, wie geschrieben, unklar. Es könnte mit klimatischen Veränderungen oder einem gesellschaftlichen Wandel zu tun gehabt haben. Vielleicht ist auch einfach jemand auf die Idee gekommen, einen Kalender zu basteln. 😉 Nach der rituellen Beerdigung der Himmelsscheibe gab es keine derartigen Depots mehr.

Fundort und Museum bei Nebra

Die Gegend hier an der Unstrut ist schon seit über 500.000 Siedlungsgebiet der Menschen. So wird man vermutlich noch einiges finden, aber man fand auch schon viel. Der Grund dafür liegt im Boden: Fruchtbarer Boden und der Harz in der Nähe bietet reichlich Erze.

Das Museum befindet sich in der Nähe des Fundorts der Himmelsscheibe in dem Ort Kleinwangen, wohin man auch mit dem Zug kommt. Es thront mit seiner länglichen Form auf einem kleinen Berg, aber man kann sich mit einem Shuttleservice hochfahren lassen. Dieses Shuttle fährt auch regelmäßig zum Fundort oben auf dem Mittelberg.

Der Mittelberg, wo die Scheibe vermutlich auch eingesetzt wurde, war von der Stein- bis zur Eisenzeit ein befestigter Ort und ohne Wald. Daher sah man recht weit. Heute kann man das Dank des Turms machen, der dort aufgestellt und der ganzjährig offen ist. Der Turm ist sehr hoch und man muss es selbst erlaufen. Oben bekommt man dafür einen guten Ausblick und die Sicht der Menschen von damals.

In der Gegend finden sich auch einige Hügelgräber, wie sie die Kelten in der Eisenzeit hatten. Diese stammten aber aus der Jungsteinzeit, jedoch gab es auf dem Mittelberg keine. War der Ort vielleicht über die Jahrtausende hinweg heilig?

Das Museum arbeitet sowohl die Bedeutung, als auch die Fundgeschichte der Himmelsscheibe auf. Es ist modern gestaltet und fordert die Besuchenden heraus. Die Ausstellung soll erlebt werden, daher gibt es viel Anschauungs- und Expermentiermaterial. So auch die Form der Himmelsscheibe, sie wiegt 2,3 Kilogramm und ist 32 Zentimeter breit. Vermutlich hat die Herstellung in der ersten Variante etwa 800 Arbeitsstunden gedauert.

Museum der Himmelsscheibe

  • An der Steinklöbe 16
  • 06642 Nebra (Unstrut)
  • GPS: 51.271640, 11.531295


Wo die Himmelsscheibe gefunden wurde

  • GPS: 51.283773, 11.519925

29. September 2017 in Kultur & Zuhause, Technik & Internet

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