Innovationen & Produktivität beim BGE

Ein oftgeäußerter Vorwurf gegen das Bedingungslose GrundEinkommen ist, dass die Innovationskraft und die Produktivität sinken würden.

Ich gehe davon aus, dass die Roboter innerhalb der nächsten zwei Dekaden die meisten Arbeiten übernehmen werden. Und dabei meine ich nicht nur Lagerarbeiten, sondern auch chirurgische Eingriffe und Diagnosen. Dessen ungeachtet, sollte man das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) einführen, um den Menschen ins Zentrum unserer Gesellschaft zu setzen, wo bisher vor allem die Wirtschaft ihren Platz hat.

Perseus mit Kopf von Medusa

Perseus mit Kopf von Medusa

Mit dem BGE wären die Menschen viele Sorgen los und könnten sich um das wahre Leben kümmern, dass nach Adorno derzeit nur ein Anhängsel ist. Die Produktivität wächst seit Jahrzehnten und dennoch haben wir immer weniger Zeit. Allein die Menschen in Deutschland haben soviele Überstunden, dass sich daraus eigentlich mehr als eine Million neue Jobs formen könnten. Wir wissen alle, worüber ich schreibe! Dabei gilt doch ein Vertrag, 40 Stunden und .., aber das ist ein anderes Thema.

Die Gegenschaft zu einem BGE behauptet nun des Öfteren, die sinkende Produktivität würde den Wohlstand gefährden. Der Vorwurf gilt im Übrigen auch für den Anarchismus. Und den Gott der Produktivität darf man nicht vom Sockel stoßen, selbst wenn die Menschheit und die Natur darunter leiden. Die Innovationen würden zurückgehen und der Fortschritt würde der Bequemlichkeit zum Opfer fallen, so die Befürchtung.

Wenn dem so wäre, hätten wir es vermutlich nicht mal aus Afrika raus geschafft, geschweige denn bis in die Antike. Der Kapitalismus, wie wir ihn heute kennen und uns die Vorstellung ohne ihn zu leben ein Graus ist, gibt es erst seit dem 18. Jahrhundert, obgleich er in Florenz des 16. Jahrhunderts quasi erfunden wurde. Auch davor gab es Erfindungen und die Menschen brachten gerade in der Antike viel davon heraus, was bis heute unübertroffen ist. Dazu zählt beispielsweise die Wasserschraube von Archimedes.

Oftmals wird behauptet, dass der Wettbewerb die Innovationskraft auslöse. Durch das Ringen miteinander würden die Erfindungen entstehen. Daher wäre das 20. Jahrhundert, nebst den Kriegen auch von Erfindungen geprägt. Und Kriege würden auch Innovationen anspornen. Das ist ebenfalls falsch. Nicht der Krieg fördert die Innovationskraft, sondern das eingesetzte Kapital. In Kriegszeiten wird das Geld auf die Forschung, in der Regel für Kriegstechnik, eingesetzt. Diese Technik kann aber auch friedliche Anwendungen haben. Und auch in Friedenszeiten kann man viel Geld für Forschung ausgeben, aber andere Dinge sind vielleicht wichtiger. Im Krieg – das ist ein anerkannter Notfall – kann die Bevölkerung auch mehr leiden, sie leidet eh schon…

Und nicht der Wettbewerb fördert die Erfindungsgeist – denn würden alle zusammenarbeiten, könnte man einige Ziele längst erreicht haben. Im Wettbewerb arbeiten alle für sich und dass die Atombombe, der Gummi oder der Düsenantrieb erfunden wurde, war der Abfolge geschuldet. Schließlich kamen verschiedene Menschen zeitgleich auf die Idee, es war einfach an der Zeit. Wenn man nun einen haufen Fachleute dafür bezahlt, dann finden die schon irgendwann eine Lösung. An der Atombombe haben auch mehrere Teams geforscht, gemeinsam hätten sie es schneller hinbekommen.

Derzeit entwickeln verschiedene Teams rund um die Welt das sogenannte autonome Fahren, also Autos, die von selbst fahren. Jede Firma arbeitet daran für sich – alle gemeinsam, da bin ich mir sicher haben die Lösung bereits gefunden. So ist denn meine Sicht der Dinge, dass der Wettbewerb die Entwicklung nicht beflügelt oder befördert, sondern genau gegenteilig: Wettbewerb verhindert Entwicklung.

Und bezüglich Behauptung, oftmals von Konservativen, ob die Menschen faul werden und nur noch vor dem Fernseher liegen: A) Was denkt ihr von den Menschen, die Euch wählen sollen? B) Es geht sie nichts an und C) das ist auch Quatsch. Sicherlich würde es kurzzeitig zu einem Abfallen der Produktion kommen, denn die Menschen müssten erstmal durchschnaufen. Aber danach würden sich die Menschen um Wertarbeit kümmern und müssten nicht mehr das Lied trällern, dessen Gehaltscheck ich bekomme… Man müsste nicht mehr auf Befehl böse sein, andere Menschen aus der Wohnung werfen oder Leute über den Tisch ziehen.

Aber nach einigen Wochen, spätestens Monaten, würden die Menschen wieder etwas machen, weil es sonst zu langweilig werden würde. So ist der Mensch eben nicht konzipiert. Aber was man auch macht, man könnte sich wieder Zeit damit lassen und etwas produzieren, auf das man stolz ist.

21. Dezember 2017 in Story-Kommentar, Wirtschaft

, ,

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar