Kaiserpfalz Goslar

Die Kaiserpfalz in Goslar gehört zu geschichtsträchtigsten Orten in Deutschland des Mittelalters.

Die Stadt Goslar ist ein bezauberndes Städtchen im Harz, das man sich mal angesehen haben sollte. Im Zentrum der Sehenswürdigkeiten der Stadt steht die Kaiserpfalz, also der Ort an dem der Kaiser wohnte – am Fuße des Rammelsberg. Das war allerdings im Hochmittelalter.

Kaiserpfalz Goslar

Ursprünge der Kaiserpfalz

Egal von welcher Seite man sich der Kaiserpfalz in Goslar nähert, es ist ein aufmerksamkeitshaschender Ort. Die Kaiserpfalz erhebt sich auf 61.200 Quadratmeter  und umfasst heute ein Museum, den berühmten Kaisersaal mit seinen Gemälden und ein Gotteshaus. Im Zentrum der Anlage stehen die übereinanderliegenden Säle, mit einer Länge von fast 50 Metern: Der Winter- und der Sommersaal, wobei ersterer nicht immer ein zusammenhängender Raum war. Dazu gab es auch eine passende Heizung, die man durch ein Glas im Museum anschauen kann.

Wintersaal Nachbau Kaiserpfalz Goslar

Mittelalterliche Heizung Kaiserpfalz Goslar

Vermutlich stand hier schon zuvor ein Freizeitdomizil für den König und Kaiser, wahrscheinlich in Form einer Jagdeinrichtung und vielleicht sogar schon aus der Zeit der Karolinger. Im Jahr 1005 hatte Heinrich II an dieser Stelle das erste Gebäude der Kaiserpfalz errichtet. Im 11. Jahrhundert war dies eine Neuheit, dass sich der Kaiser ein Zuhause baut. Die damaligen Kaiser waren quasi permanent auf Reisen. Doch Heinrich II. wollte eine Residenzstadt haben, in der er seine Konferenzen abhalten kann – das fand er in Goslar.

Die herrschenden Kaiser dieser Zeit stammen aus dem Haus der Salier – eines der mächtigsten Herrscherhäuser seinerzeit. Doch auch der König muss gewählt werden und zwar von den Fürsten. Diese Form von Gewaltenkontrolle war also nur dem Adel vorbehalten. Um Kaiser zu werden, diese Tradition begann Karl der Große, musste man vom Papst dazu ernannt werden. Dann war man Kaiser (in Anlehnung an die römischen Caesaren) des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nationen. Zu Karls Zeiten glaubte man sich noch im spätrömischen Reich.

Der Nachkomme Heinrichs II, Konrad II. baute schon in den 30er Jahren des 11. Jahrhundert aus und ließ u.a. eine heute verschollene Kirche erbauen. Aber die Vollendung des Werks gelang erst Heinrich III. Die Bauleitung hatte Benno II. inne, der es noch in den 50er Jahren des 11. Jahrhundert fertigstellte. Aber auch in den kommenden Jahrhunderten wird selbstverständlich mal renoviert und im 12. Jahrhundert unter Heinrich V etwas erweitert. Die unteren Gemächer waren für die Vasallen und deren Dienstleute und oben hauste der Kaiser und dessen Familie.

Nach den Saliern übernehmen die Staufer, ein Adelsgeschlecht aus Schwaben die Königs- und später Kaiserwürde. Friedrich I, genannt Barbarossa nutzte die Kaiserpfalz noch für einige Hoftage, wie die Salierkönige von ihm. Doch dann wird es still um die Kaiserpfalz.

Den letzten großen Auftritt hatte das Gebäudeensemble, als man im Streit zwischen Barbarossa und dem Welfen, Heinrich dem Löwen, vermittelte. Kein Jahrhundert nach der letzten Erweiterung im 12. Jahrhundert war die Glanzzeit vorbei. Im Jahr 1289 brannten die Flammen das Gebäude nieder.

Danach war es vor allem der Gerichtsplatz, aber auch Lagerraum. Die Ulrichskapelle war gar ein Gefängnis. Die Steine der Ruinen trug man davon und baute damit neue Gebäude. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es nur noch eine Ruine, die 1865 weiter einstürzte. Daraufhin beschloss die Stadt Goslar die Kaiserpfalz wieder zu errichten, was 1879 abgeschlossen war.

Aber es war auch nicht die einzige Pfalz, was im Übrigen vom lateinischen „palatia“ kommt und Palast bedeutet, in der Region. Gerade das nahegelegene Werla diente aus, als Goslar zur Pfalz wurde. Seit 1992 ist die Kaiserpfalz Teil des Weltkulturerbes der UNESCO.

Gotteshäuser in der Kaiserpfalz

In seiner Glanzzeit befand sich auch die Liebfrauenkirche auf dem Gelände, davon steht aber heute nichts mehr. Sie stand wo heute die Wege die Anhöhe hinaufführen. Auch der Stiftskirche St. Simon und Judas (1051 bis 1819) steht nur ein kleiner Teil, heute die Domvorhalle auf dem Parkplatz. Sie ist von 1150 und die Vorhalle war der nördliche Eingang. Zudem fanden sich natürlich Wirtschaftsgebäude und die Gemächer der Bediensteten auf dem von einer Mauer umringten Gelände.

In der Pfalz gibt es eine Kapelle, die dem heiligen Ulrich gewidmet ist. Sie ist zweigeschössig, wobei der zweite Stock nachträglich aufgesetzt wurde. Zur oberen Etage gab es eine Verbindung zu den Räumlichkeiten der kaiserlichen Familie und unten liegt das Herz des Kaisers Heinrich III. Das das Herz in Goslar verbleibe, verfügte er selbst. Der Rest des Leichnahms wurde in Speyer beerdigt. Der Sarg liegt hier aber erst sei 1884. Der Sargdeckel bildet den Verstorbenen, sowie seinen Hund ab. In den Händen das Zepter und Symobl der Macht und in der anderen seine Kirche.

Kaisersaal und seine Gemälde

Der Kaisersaal mit seiner zentralen Empore ist bunt mit Bildern geschmückt, die die historischen Fakten etwas verfärben. Der Bau entstand ja schließlich im 19. Jahrhundert und sollte den damaligen Preußen-Kaiser würdigen. Die Bilder von der Hand des Künstlers Hermann Wislicenus entstanden zum Ende des Jahrhunderts hin und zeigen vermeintliche Stellen der deutschen Geschichte.

Zentrales Kaiserbild Kaisersaal Kaiserpfalz Goslar

Das zentrale Bild ist der Reichseinigung (Bismarck und die Fürsten) und vor allem dem gottgleich-dargestellten und von der Geschichte bestimmten (Barbarossa zeigt auf ihn) Kaiser Wilhelm I. gewidmet. Auch seine Familie ist anwesend, inklusive des nachfolgenden Herrschers. Allerdings, wie gesagt, betrifft das alle Bilder in dem Raum, die mit einer leichten Änderungen oder Verklärung der Geschichte einhergehen. Davor findet sich an der Decke die Sammlung der Wappen der wichtigsten Herrscherhäuser im Reich damals.

Zur Kapelle hin findet sich eine Szene aus dem Märchen Dornröschen, ein Verweis auf die Verbindung des Heiligen Römischen Reichs mit dem Deutschen Reich von 1871. Ebenfalls aus dem Reich der Mythen findet sich dem Gegenüber die Szene von Barbarossa, wie er aus der Höhle des Kyffhäuser kommt. Mit dem Schwert in der Hand, blickt er zu Burg – Symbol der Macht.

Sowieso ist Barbarossa des Öfteren vertreten und zwar in der Legende eines Kniefalls, wo es um Goslar und den Italienfeldzug ging und in einer Schlacht im Kreuzzug. Jedoch war Barbarossa nicht dort, denn er fiel vom Pferd und starb, dafür ist auf dem Bild Friedrich II. auch der Künstler portraitiert.

Außerdem hat jedes Bild darunter noch eine kleine Bilderschau, die weitere Verbindungen knüpfen. Ein weiteres Bild zeigt Luthers mit seinem Spruch“Hier stehe ich und kann nicht anders“ dargestellt, sowie die Geschichte mit der Verbrennung der großen Esche der Sachsen: Irminsul. Natürlich dürfen die Salierkönige nicht fehlen, so Heinrich II und seine Krönung, Heinrich III. und Heinrich IV. Allerdings gibt es ein kleines Bild vom Gang nach Canossa.

Reiterfiguren vor der Kaiserpfalz

Die Figuren zu Pferde vor der Kaiserpfalz, von Löwen eingerahmt, zeigen Barbarossa, aka Friedrich I und Kaiser Wilhelm. Dazwischen befinden sich wiederum die Wappen einiger wichtiger Fürsten des Mittelalters.

Wo befindet sich die Kaiserpfalz?

  • Kaiserbleek 6
  • 38640 Goslar

7. Juni 2017 in Kultur & Zuhause, Story-Kommentar

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar