Luther kritisch gesehen | Reformation vor 500 Jahren

Wie sind die Handlungen von Luther oder beispielsweise Müntzer 500 Jahre nach ihrem Wirken zu betrachten?

In diesem Jahr feiert man das 500ste Jubiläumsjahr der Reformation: 1517 schlug Luther seine Thesen an die Kirchentür von Wittenberge. Die Ereignisse danach prägten nicht nur die Kirche, sondern auch die Gesellschaft. Doch Luthers Taten sind m.E. wenig rühmlich – eher schändlich, abgesehen von der Bibelübersetzung.

Lutherrkirche Wittenberg

Lutherrkirche Wittenberg

Mittelalterliche Stellung von Gott

Im Mittelalter, wovon man ab dem 6. Jahrhundert bis zum 16. Jahrhundert redet, etablierte sich die Kirche als die alleinseligmachende Antwort auf die Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens. Die Kirche allein mit dem Oberhaupt, dem Papst, darf entscheiden was wahr ist und was nicht. Diesen Anspruch erhebt man, weil der Papst der Stellvertreter Gottes auf Erden sei. Was in der Bibel steht, wurde zu Anfang des Mittelalters durch Konzile bestimmt.

Im Zentrum des Glaubens stand (oder vielmehr) steht die Angst vor der Hölle. Obgleich sich das Christentum in Europa auf Grund der Gleichheit vor Gott derart verbreitete, war diese Idee in der institutionellen Kirche nicht mehr vorhanden. Aus dem Glauben wurde ein Machtinstrument und das Schwert war die Angst vor der Hölle und dem Teufel. Tatsächlich steht davon in der Bibel sehr wenig, doch damit ließ sich sehr, sehr, sehr viel Geld machen.

Der Ablass war nicht erst im 16. Jahrhundert erfunden worden. Schon lange konnte man sich Fürbitten kaufen; also die Adeligen und Reichen. Wenn man eine Kirche baute oder sie übernahm und den Pfarrer bezahlte, musste dieser für die Familie des Fürsten, respektive Erbauer, beten. Sogenannte Fürbitten. Diese, so der katholische Glaube, helfe den Menschen aus der Vorhölle – dem Fegefeuer. Im katholischen Glauben gibt es, je nach Strafe – verschiedene Höllen. Davon ist zwar überhaupt kein Wort in der Bibel erwähnt, aber es war ja auch unfair die Menschen vor Jesus Geburt – die ja nichts davon wissen konnten – gleich zur Hölle zu verdammen. Die Hölle war für die Menschen damals sehr nah, denn man ging davon aus, dass die Welt jederzeit untergehen könnte. Das Christentum war ursprünglich eine Untergangssekte, wie man heute sagen würde.

Die Sprache der Gelehrten war die Sprache der Antike: Latein. Lustigerweise war die Sprache der Gelehrten in der Antike griechisch. Die Bibel zunächst auf hebräisch und griechisch wurde so ins Lateinische übersetzt. Dabei gab es auch einige Übersetzungsfehler, doch das ist hier nicht das Thema. Latein konnte damals nur der Klerus und sie waren auch die einzigen, die die Bibel lesen und übersetzen konnten.

Da die Bibel in Latein geschrieben war, konnte die Kirche alles mögliche reininterpretieren oder hinzufügen. Damals wurden auch viele Besitztümer von der Kirche requiriert, für die Deutschland die beiden Kirchen bis heute finanziell entschädigt. Und die extra entwickelte Angst vor der Hölle, wurde nun in klingende Münze umgewandelt. Was bisher nur dem Adel vorbehalten war, sich aus dem Fegefeuer frei zu kaufen, wurde im 16. Jahrhundert auch den Normalsterblichen möglich: Der Ablasshandel.

Der Grund dafür waren natürlich Geldsorgen: Nicht nur die teuren Kirchenbauten, auch der luxuriöse Lebenswandel der Geistlichkeit kostete Geld. Ganz abgesehen, dass man sich den Posten als Bischof oder Kardinal erkaufen musste. Dafür gab man beispielsweise bei den Fuggern einen Kredit auf, und wenn man Bischof war, konnte man es zurückzahlen; mit dem Geld aus dem Ablasshandel.

Luther & seine fragwürdige Lehre

Während denn der Adel und die Geistlichkeit nur 10 Prozent der Gesellschaft darstellten, waren es aber 90 Prozent der Bauern, die alles bezahlten. Auch den Krieg der Adeligen, sowie deren Lebenswandel und Schlösser. Doch daran wollte Luther 1517 gar nicht rütteln, sondern nur die Kirche reformieren. Der Ablasshandel und der Papst waren seine Ziele.

Mit den Thesen angefangen, predigte der Augustinermönch, dass der Mensch keinen Vermittler sich zwischen sich und Gott brauche. Das bedeutete, die Kirche ist eigentlich unnütz. In den Himmel kommt wer sich zu Jesus bekenne und nicht durch einen Ablasszettel.

Dadurch zog er den Zorn des Vatikan auf sich, doch er stand zu seiner Meinung und flüchtete auf die Wartburg unter einem Decknamen. Dort glänzte er mit seiner sicherlich bedeutendsten und ehrwürdigen Leistung. Er übersetzte die Bibel ins Deutsche. Das kam einer Revolution gleich, denn nun konnte sich jeder darüber informieren.

Doch er schrieb nicht nur die Übersetzung, sondern auch etliche andere Werke, die überhaupt nicht rühmlich sind. Darunter sind antisemitische Texte und Artikel über den verderblichen Müßiggang der Leute, den er später selbst gerne genoß. Auch die evangelische Kirche war nicht ohne – sie nahmen die selben überhöhten Steuern von den Bauern ein, wie die katholischen Kirchen, respektive Klöster. Sie hatten auch Leibeigene, damalige Sklaven, und sie verfolgten Andersdenkende, die dann zumeist in den Schwarzwald oder in die Schweiz, damals bereits eine Eidgenossenschaft, geflüchtet sind. Dazu gehörten auch Juden oder Türken. Den Juden würde Luther, so schreibt er einmal, sogar selbst erstechen, wenn er könnte. Es wäre, so eine andere Schrift, ja quasi Notwehr. Die Synagogen abfackeln und sich ihrer entledige. Ein 150 Prozentiger Nazi und vielleicht der Grund, warum die evanglische Kirche viele Gemeinsamkeiten zu der NSDAP fand.

Luther hat an verschiedenen Stellen zum Mord aus religiösen Gründen aufgerufen. Vor allem im Bauernkrieg gab Luther kein gutes Bild von sich ab. Als die Bauern in der Bibel lasen, dass die meisten Steuern erfunden waren und die Stände-Hierarchie keineswegs von Gott gewollt war, gab es Aufruhr. Nicht nur die deutsche Bibel, auch der Buchdruck, beschleunigte diesen Prozess, der sich bereits damals über viele Jahrzehnte hinzog.

Während Luther die Stände-Ordnung, der Adel und die Kirche zur Seite Gottes – über den schufftenden Bauern, bewahren wollte, entwickelte sich seine Idee weiter. Während Thomas Müntzer diese Idee konsequent umsetzte, warf sich Luther dem Adel in die Arme.

Müntzer war zunächst in Thüringen in der evangelischen Kirche Pfarrer. Zwar hatte Luther die Bibel übersetzt, aber Müntzer hielt als erster Pfarrer seine Gottesdienste auf deutsch ab. Müntzer sah das Leid der Bauern und kämpfte sogar mit ihnen auf dem Schlachtfeld. Und an seinem Tod ist Luther nicht ganz unschuldig. Vielleicht, so die Kritik einiger, wollte er auch einen konkurrierenden Glauben ausrotten.

Luther forderte die Adeligen auf, die Bauern zu erschlagen, dann würden sie auch in den Himmel kommen, weil man ja auf Gottes Geheiß töten würde. Damals gab es bereits Artillerie und auch Schusswaffen – auf Seiten der Reichen. Die Bauern, die zwar in höherer Zahl waren, verfügten jedoch nur über Forken, Sensen und Knüppel. Wer da gewinnt ist klar. Und um sicher zu gehen, wurden nach den Aufständen alle Rädelsführer gefoltert und ermordet.

Luther legitimierte dies, auch wenn er kurz vor seinem Tod einsah, dass das Blut der Bauern auf seinem Halse klebe. Jedoch schreibt er weiter, dass es ja Gott war, der aus ihm sprach. Prima Sache. Anhänger seines Glaubens folterten auch so manchen Bauern, der rebellierte.

Die Revolution von 1525 oder der Bauernkrieg war im Übrigen die erste Revolution in Deutschland und sie hatten sich auch eine Art Verfassung gegeben, die ebenfalls eine Premiere in Deutschland darstellt. Sie erarbeiteten in Memmingen im Allgäu zwölf Artikel, die sie aus der Bibel abgeleitet hatten. Doch das interessierte Luther nicht, auch wenn er mal sagte, dass er sich belehren lassen würde, würde man es ihm anhand der Bibel darlegen.

Auch mit den Frauen hatte es der Luther nicht so sehr. Ihr geheimes Kräuterwissen war eine Bedrohung für das Monopol auf Seligkeit. Daher wurde auch so manche Hexenverbrennung mit Verweis auf Luther getätigt, worin man in evangelischen Gebieten mehr vorfand. Behinderte, so Luther, sollten übrigens ersäuft werden und auch Atheisten sollte man erledigen.

Und nicht zu vergessen ist einer der grausamsten Kriege in Europa: Der Dreißigjährige Krieg – der Kampf der Katholischen gegen die Evanglischen Glauben.

Er hatte eine Vielzahl von perversen Hinrichtungsarten ersonnen, die man auch durchführte. Wenn man sich also dieses Jahr des Reformatorvaters Martin Luther erinnert, dann doch bitte auch daran, dass der Typ im Lauf seines Lebens zum sadistischen Faschisten wurde. Vor diesem Hintergrund muss man vielleicht auch die ganzen Feierlichkeiten in Frage stellen. Ein Gedenktag wäre vielleicht hilfreicher.

Luther Grab Wittenberg

Luther Grab Wittenberg

20. Februar 2017 in Kultur & Zuhause, Story-Kommentar

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