Magdeburg & die Geschichte des Kaisers Otto I

Wenn man sich mal ein bisschen über das Mittelalter kundig machen will, dann bietet sich dabei der Dom von Magdeburg an, dort liegt auch Otto I begraben. Was macht ihn für die Geschichte so bedeutend?

In der Mitte Deutschlands, von vielen Seiten gut erreichbar, liegt Magdeburg. Eine Stadt die in der mittelalterlichen Geschichte Deutschlands eine wichtige Rolle spielte. Vor allem weil diese Stadt eng mit dem Kaiser Otto I. und seiner Dynastie zusammenhängt.

Kaiser Otto I und seine Frauen

Otto I. als Thronfolger von Heinrich I.

Neben dem Dom findet man die ersten Hinweise, dort verläuft der Weg der Ottonen. Das sind in Stein gehauene Lebensdaten der Akteure dieser Dynastie, welche in den Boden eingelassen sind. Die Geschichte von Otto I. beginnt natürlich mit seinem Vater. Heinrich I. lebte von 876 bis 936. Zur Geburt Otto I. war Heinrich I. Herzog von Sachsen, wobei Sachsen alles zwischen Niederrhein und der Elbe war.

Doch 919 wird Heinrich zum König des Ostfränkischen Reichs, dem Vorläufer was später ein Mal Deutschland sein wird. Das hat er einem Sieg zu verdanken, das mit Hilfe einer Reliquie schaffte, welche später auch seinem Sohn zum Erfolg verhilft – die Heilige Lanze, mit einem blutgetränkten Nagel aus dem Kreuz Jesu – so zumindest war der damalige Glaube.

Otto I. begann sein Laufbahn mit Angriffen auf die nichtchristlichen Nachbarstämme, die Slawen. Doch er verliebte sich mit 16 auch in eine adelige Slawin und zeugte mit Ihr einen Sohn, der aber nie auf den Thron folgte. Der Vater des jungen Otto lässt die erste Frau des späteren Kaisers ins Kloster verfrachten und der Sohn muss staatsmännisch eine neue Braut finden. Edgith oder Editha wird mit Otto I. verheiratet, doch schon 946, nach 16 Jahren Ehe, wird sie an einer Krankheit sterben. Diese Bindung aber brachte den Sachsen neue Macht und einen Sohn Liudolf, er sollte der alleinige Thronfolger werden.

Im Jahr 929, also im Jahr der Heirat, erließ der Vater eine sogenannte „Hausordnung“, worin er seinen Sohn Otto I, als einzigen Erben einsetzte. Das war nicht nur neu im Mittelalter, sondern erzeugte natürlich eine Menge Frust bei den anderen Erben. Die Idee von Heinrich I. war es, die errungene Macht für seine Dynastie zu erhalten. Als Karl der Große starb, zerfiel das geschaffene Reich und das wollte Heinrich nicht. Die Frau des Thronfolgers bedachte er mit der Stadt Magdeburg.

Königserbe: Innen- und Außenpolitik Otto I.

Nach dem Tod des Vaters, Heinrich I, wird Otto 936 zum König des Ostfränkischen Reichs gekrönt und zwar dort, wo auch einst Karl der Große gekrönt wurde – in Aachen. Doch Magdeburg wird die Pfalz seiner Wahl bleiben. Pfalz deutet übrigens, der Sitz des Herrschers, wobei es im Mittelalter keine Hauptstadt gab. Der König reiste zur Sicherung seiner Macht durch die Lande und das war für die Städte eine Ehre, jedoch auch eine Bürde, denn der Hofstaat des Königs war umfangreich.  Nach dem Motto: Schön, dass der König kommt und gut wenn er endlich weiter zieht.

Die enterbten Brüder sinnen auf Rache, aber nicht nur die – denn Ottos Regierungsgewalt ist unbeliebt bei den Mächtigen dieser Tage. Es kommt zur Schlacht und ein Bruder wird besiegt. Der andere Bruder, ebenfalls Heinrich genannt, nutzt die Gelegenheit als Otto I. auf Reisen ist und versucht mit Schwert und Schenkungen die Königswürde zu erwerben. Als Otto I. zurück kommt, will ihn sein Bruder meucheln, doch der Plan wird verraten. Die Fürsten werden bestraft, der Bruder ergibt sich und gemäß christlicher Idee, wird ihm vergeben. Als Ausgleich wird Heinrich der Sachse zum Herzog in Bayern. Ein Herzog untersteht direkt dem König, ist also die zweite Ebene der Führungsriege.

Später wird durch Heirat das Herzogtum Lothringen (links des Rheins inklusive Elsass) und Schwaben (rechts des Hochrheins und Schwarzwald) unter seine Herrschaft kommen. Nur noch das Herzogtum Franken fehlt, das stellt der König kurzerhand per Dekret unter seine Herrschaft. Nun gehören ihm alle ostfränkischen Herzogtümer. Warum Franken damals noch Franken heißt? Ich nehme an, schon damals hatte man vormittelalterliche, also damals schon historische, Begriff aufgenommen. Wobei die Franken eher über die heutige Niederlande ins heutige Frankreich kamen, noch zu Zeiten der Römer.

Heirat mit Adelheid, Schlacht auf dem Lechfeld und Aufstieg zum Kaiser

Im Jahr 951 wurde Adelheit, die rechtmäßige Königin von Italien (was damals nicht dem heutigen Italien entsprach), gefangen genommen, durch einen Markgrafen Beringar. Sie braucht einen hohen Verbündeten und da bietet sich Otto I. an. Er soll ihr helfen und dafür würde er sie heiraten. Damit könnte Otto eine Referenz zum Römischen Imperium aufbauen und damit zum Kaiser werden, denn traditionell braucht man die italienische Provinz um in der Tradition zu bleiben.

Adelheid flieht noch im selben Jahr in die Burg Canossa, die später noch von Bedeutung sein wird. Dort trifft Otto auf Adelheit, während ihr Gegenspieler Beringar den Rückzug antritt. Die beiden heiraten und doch bot sich die Gelegenheit zur Kaiserkrone noch nicht. Für eine Kaiserkrone braucht man nicht nur Italien und ein Reich, sowie Kriegsglück, sondern vor allem auch den Segen des Vatikan. Das blieb dem König erst mal versagt.

Doch Otto muss von Italien Abschied nehmen, denn sein Sohn gebärt sich – ähnlich wie sein Bruder Heinrich seiner Zeit – als wäre er König. Das Problem ist sein Erbe, denn die neue Frau des Vaters hat bereits ein Kind. Es kommt 953 zu einem offenen Eklat – der Kaiser wird abgewiesen. Zudem verbündet sich der abtrünnige Sohn mit dem Feind – den Ungarn. Denn im 10. Jahrhundert fallen immer wieder die Ungarn in das Reich ein und brandschatzen das Land.

Die Außenpolitik, die auch heute noch Prestigeträchtig ist, bedarf nun ebenfalls die Aufmerksamkeit des Königs. Die Ungarn, ein Reitervolk, haben einen technologischen Vorteil: Ihre Komposit-Reflex-Bögen sind vom Pferd aus (auch dank Steigbügel) der Verteidigung überlegen. Ihre Strategie ist Hit and Run, also im Galopp heran reiten, die Pfeile abschießen und wieder weg. Die Verteidigungsstrategie ist aber auf den Nahkampf ausgelegt. Die Reiter haben Schwerter und Lanzen. Otto I. muss handeln und verfeinert eine Strategie des Vaters, die aus zwei Teilen besteht: Zum Einen hat er die Panzerung der Ritter verbessert, sodass die Pfeile weniger Schaden anrichten können und zum Zweiten hat er das Symbol des Christentums mit auf die Schlacht gebracht. Weil das Christentum aus einem unsichtbaren Gott besteht, braucht man etwas Vorzeigbares – so kam der Reliquienhandel auf Touren. Und Otto ließ sich die Heilige Lanze bringen (siehe oben, eine Nachbildung ist im Dom von Magdeburg zu sehen), die er vor den Truppen her trug.

Am 10. August, dem Tag des Laurentius, 955 standen sich auf dem Lechfeld bei Augsburg die beiden Truppenverbände gegenüber. Zum Pech der Ungarn, so die Quellen, regnete es auch und die Bögen der Ungarn waren eher für den Einsatz an trockenen Tagen gedacht. Am Ende der Schlacht ging die Strategie von Otto I. auf. Die Ungarn waren so vernichtet geschlagen, dass sie tatsächlich keine größeren Raubzüge in seinem Reich unternahmen. Fortan trägt er den Titel „Otto der Große“.

Mit diesem reputativ wichtigen Sieg wurde er von den Fürsten als inoffizieller Kaiser akzeptiert, denn er hatte wohl Gott auf seiner Seite. So ein Erfolg sprach sich im Mittelalter schnell herum, denn von Alters her war die Idee des Gottesurteils auch auf der Schlacht relevant. Hast Du gewonnen, war Gott mit Dir und dann hattest Du beispielsweise auch Recht.

Dem Sohn Liudolf gewährt der König Gnade und macht ihm zum Herzog von Schwaben, nach dem er sich ergeben hat. Aus Dank über den Sieg will er, wie zuvor versprochen, das Bistum Magdeburg gründen. Doch davon ist sein erster Sohn, mit der slawischen Adeligen, wenig begeistert. Dieser ist inzwischen zum Erzbischof von Mainz avanciert und mit einem weiteren Bischof würde die Macht der bisherigen Bischöfe sinken. Doch Otto beginnt mit dem Bau eines Doms in Magdeburg. Aber als der Papst entscheiden soll, entscheidet dieser (ausnahmsweise) nach Vorschrift: Alle Bischöfe müssen einem neuen Bistum zustimmen. Derweil versterben Familienmitglieder, darunter auch Liudolf. Und ein neuer Sohn wird geboren: Otto II.

Erst einige Jahre später kam die Gelegenheit, sich zum Kaiser zu machen. Der Papst Johannes XII. rief den Ottonen im Jahr 960 zur Hilfe, gegen den einstigen Gegenspielers von Adelheit: Beringar. Otto I. rückt mit seiner Armee über die Alpen in Richtung Italien, der Gegenspieler – ein Markgraf, der König werden wollte, wird aufgegriffen und eingekerkert.

Aus Dank für die Befreiung aus den Fängen des Gegenspielers, krönt er den König des ostfränkischen Reichs, den König von Italien nun im Februar 962 zum Kaiser, des fortan bestehenden Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nationen, das noch bis 1806 Bestand hat. Der offizielle Titel vor der Kaiserkrone war König der Franken und der Langobarden. Beides germanische Stämme, welche sich durch Kriege hervorgetan haben. Die Franken dominierten seit den Merowingern den Großteil Europas nördlich der Alpen und die Langobarden hatte einst Italien besetzt. Noch heute zeugt die Region Lombardei davon, was von den Langobarden kommt.

Und nun als Kaiser und mit der Hilfe des Papstes, der unter seinem Schutz stand, bekommt Otto I. sein Bistum in Magdeburg. Dafür akzeptiert Otto I den Konstantinischen Schenkungsvertrag, von dem kurz nach der Zeichnung bekannt wurde, dass es eine Fälschung war. Aber dadurch erhält der Vatikan einige Gebiete in Italien, unter anderem der heutige Vatikanstaat. Es war also eine gefälschte Urkunde, oder wie Christen sagen würden: eine Lüge, die den Vatikan erst groß machte. Nach dem Otto den Schwindel sah, wollte er den Papst stürzen. Aber auch die nächsten Päpste sind nicht so einfach zu bändigen. Das Bischofstum in Magdeburg erfüllt sich daher erst nach dem Tod der Widersacher im Jahr 968.

Um die Dynastie zu stärken will Otto I seinen Sohn, Otto II, mit einer Tochter aus dem Kaiserhaus von Byzanz verheiraten. Ursprünglich hat man den Boten nicht mal vorgelassen, was dazu führte das Otto I mit Byzanz fünf Jahre Krieg führte. Mit dem Tod des Kaisers und dem Aufstieg eines neuen Kaisers von Byzanz kommt es zu Friedensverhandlungen und zur gewünschten Entsendung einer Frau für Otto II.

Doch schickten die nur eine Cousine des Kaiserhauses, denn eigentlich sieht sich Byzanz als der wahre Nachfolger des Römischen Reichs. Dennoch wird geheiratet auf Wunsch von Otto I. , welcher 973 mit 60 Jahren bei den Hochzeitsfeierlichkeiten an Lebensmittelvergiftung stirbt. Er wird im Dom, nach einer Prozession von Memmleben nach Magdeburg, begraben. Der Sarg wird im 13. Jahrhundert im neuen Dom prominenter positioniert.

Die Schwiegertochter Theophanu wird im Jahr 967 zur Mitkaiserin, wie ihr Gemahl zum Mitkaiser wurde. Doch ist Otto II nicht so vom Glück verfolgt, während Theophanu versucht die Mutter vom Sohn zu entzweien. Otto II stirbt nach zehn Jahren Regentschaft 983.

Nach dem Tod wird erst Theophanu, dann Adelheit Kaiserin, wobei Adelheit die Schwiegertochter um einige Jahre überlebt und 999 stirbt. Mit von dem Triumvirat der weiblichen Herrschaft über Deutschland im Mittelalter gehörte im Übrigen auch die Schwester von Otto II.: Mathilde, die Äbtissin von Quedlinburg.

Der letzte Ottone war Heinrich II. welcher 1024 stirbt und damit die Dynastie der Ottonen ausstirbt.

 

7. Juli 2015 in Kultur & Zuhause

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