Medien & Neutralität | Russland vs Westen

Nicht erst seit der Ukraine- (vormals Krim-) Krise sind immer mehr Leute kritisch gegenüber den Medien, auch den öffentlich-rechlichten Anstalten. Meine subjektive, unempirische, dem menschenverstand entsprungene Meinung dazu. Sagen wir eine Dichte Beschreibung.

Die ARD mit ihrer Tagesschau wurde mit vielen Kommentaren bombardiert, warum man so einseitig über die Ukraine berichte. Die Sicht Russlands werde komplett ausgeblendet. Anderen Sendern ging es bestimmt ähnlich, und auch in privaten Gesprächen höre ich immer öfter, dass die Medien nicht neutral wären.

russischer kaese

Die ARD hat ihre Berichterstattung tatsächlich geändert, man baut auch mehr die Sicht Russlands ein. Ein wichtiger Moment wie ich finde, ist er doch einer der Hintergrundursachen für den ersten Weltkrieg gewesen: Dass man sich nicht für die andere Seite interessiert hat und nur sich (als Angegriffenen) sah – das betraf alle Nationen der damaligen Zeit.

Aber was in Russland abgeht ist ja kaum noch demokratisch zu nennen. Die Propaganda, die sich in Russland in den öffentlichen Medien zeigt, ist alles andere als neutral. Sicherlich haben die Europäer und die USA Fehler gemacht, das steht außer Frage. Der Druck auf die Ukraine – entweder EU oder Russland – und die USA mit ihrem Druck auf Sanktionen und der Spruch von der „Regionalmacht“.

Die Frage ob es in der Ukraine Rechtsradikale gibt, die an der Macht beteiligt sind, muss man mit Ja beantworten. Das stimmt, aber es ist ja wohl kein faschistischer Staat. In vielen Regierungen – auch innerhalb Deutschlands – sind und waren die rechtsradikale Parteien vertreten. In der Ukraine sind sie an der Macht – in Österreich waren sie das doch auch?! Wochenlange Proteste und Sanktionen der EU waren auf dem Tisch, als in Österreich die FPÖ (manchen noch als Haider-Partei bekannt) an die Macht kam.

Was ist mit Ungarn, was ist mit den rechtsradikalen Parteien in den Niederlanden, Schweiz, Frankreich, Belgien und all den anderen europäischen Staaten. Es gibt einen Rechtsruck in Europa – allgemein – schlimm genug! Aber davon zu reden, wie die russische Propaganda (ja, ich nutze das Wort absichtlich), dass sich dort dort ein faschistischer, anti-russischer Staat entwickelt, kann ich nicht sehen. Jetzt kann man natürlich sagen, ich bin durch die westliche Presse beeindruckt – und auch da muss ich zustimmen, ich scheitere schon daran, dass ich weder russisch noch ukrainisch kann.

Mir drängt sich nicht so sehr die Frage auf, was Putin vor hat, als viel mehr, wie stuft man ihn ein? Links ist der sicherlich nicht. Er ist bekannt für seine homophoben Gesetze. Er führte einen Anti-Terror-Krieg gegen Tschetschenien – war das nicht eine ethnische Säuberung? Er setzte eine Runde aus, um wiedergewählt zu werden. Der Typ ist clever, zweifelsohne, aber ist er nicht auch eher rechtsradikal einzuschätzen? Der ausgenutzte Patriotismus, der Pathos von dem Panslawischen Staat… Auch Bush hat seinerseits immer mit diesem Argument gearbeitet, und er war auch kein Aushängeschild der Demokratie.

Und in Russland gibt es zwar auch Zivilgesellschaften, doch diese wurden, nicht wie in anderen Ländern üblich, vom Staat gegründet – nicht von Privatpersonen. Vor einigen Jahren sprach von Russland als einer „defekten Demokratie“, doch davon sind wir heute wohl etwas entfernt. Ist Russland überhaupt noch eine Demokratie?

In wie fern kann man dann dem von Putin Gesagten noch trauen? Ich finde die Medien in Deutschland haben dazugelernt, aber sie m.E. so objektiv wie man sein kann. Nichts ist wirklich objektiv, aber woher soll man denn die Informationen herholen?

Sicherlich sind die USA in der Ukraine vertreten, aber Söldner kann jeder beauftragen. Vielleicht hat man der Ukraine Geld gegeben um die Militäragentur zu engagieren. Diese sind in vielen Konflikten der Welt unterwegs und nicht nur auf Geheiß der USA.

Nehmen wir einen anderen Konflikt: Die Boko Haram, gerade sprechen ja alle über diese Terrorgruppe. Da ist die Berichterstattung schon sehr einseitig, aber woher sollte man andere Informationen bekommen. Diese Terroristen, die kleine Mädchen entführen, die darf man gerne hassen. Da macht auch keiner einen Hehl daraus. Eine Gruppe übrigens, die sich mit ihrem Namen über den Westen definiert. Naja, eigentlich heißt es ja (nach Wiki) Boko ist Sünde und Boko ist eine Handelssprache der damaligen Kolonialmächte. Hat sich hier ein Dogma verselbstständigt?

13. Mai 2014 in Politik & Medien, Story-Kommentar, Wirtschaft

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