Pflege im Alter | Die schnöde Welt des Neo Liberalismus

Ich weiß, man kann es eigentlich gar nicht mehr hören: Das Alter, die Demographie und natürlich das liebe Geld: Es geht also um die Pflege im Alter und die Gesellschaft – wie geht sie damit um? Es geht um Respekt für alte Menschen in unserer Gesellschaft, die unter dem Dogma der Wirtschaft ideologisiert…

Jetzt hat die Kanzlerin Demographie zur Chefsache gemacht. Ein Sozialwissenschaftliches Fach: Demographie behandelt die Entwicklung der Bevölkerung, um eventuelle Vorraussagungen machen zu können. Was auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft betrifft. Dabei sind doch geisteswissenschaften für unsere Gesellschaft irrelevant, obwohl – das hat ja mit Mathematik zu tun, dann geht es ja noch…

seniorin im elektro rollstuhl

Pflege im Alter | Gesellschaftliche Sicht der Dinge

Die ganze Diskussion hat für mich so einen faden Beigeschmack. Es fühlt sich alles so an, als würde man die Senioren abschieben. Sie haben ihre Dienste gemacht, nur dumm, dass man sie nicht wegwerfen kann. Sie werden in Heime gesteckt, weil eine Pflege im Zuhause unmöglich, respektive unbezahlbar wäre. Hauptsache die Wirtschaft funktioniert und der Rest wird mit kleinen Zuzahlungen ruhig gestellt. Wichtig ist nur, dass die produktiven Menschen des Landes, nicht vom Arbeiten abgehalten werden.

Natürlich gibt es Hilfsmittel für ein Leben daheim im Alter. Es gibt Treppenlifte, mit denen man als Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderter Mensch die Etagen daheim über winden kann. Es gibt Rollatoren und Gehhilfen. Es gibt Hausnotrufe, welcher sogar von der Krankenkasse bezahlt werden – soweit ich weiß. Nähere Infos über sowas gibt das Hausnotruf-Magazin.de. Doch der Respekt fehlt meines Erachtens!

Alt werden und das Geld | Respekt und Wirtschaftshörigkeit

Natürlich braucht man im Alter viel Geld, allein was die Medikamente und die Versorgung kostet, und die verdienen dabei nicht mal Geld. Da stimmt doch auch irgendwas nicht. Von der Rente lässt sich nicht alles bezahlen, und so muss man subventionieren, doch diese werden gekürzt. Doch ich frage mich schon wo das ganze Geld hingeht – die Ärzte verdienen doch zu wenig oder?? Die Pflegekräfte und das Krankenhauspersonal ist defintiv unterbezahlt. Ich frage mich wo der Profit landet? Bei den wirtschaftlich agierenden Unternehmen? Denn Dank der Neo-Liberalisierung ist auch das letzte bisschen Gesundheitswesen, unter der Riege der Wirtschaft eingebunden. Krankenhäuser sind jetzt privatisiert – sie wollen Profit machen, das ist das erklärte Ziel – alles Andere ist dem untergestellt. Und überall wo der schnöde Mammon glänzt werden Menschlichkeit, Vertrauen und Würde brüchig… Wie sagt man doch so schön: Bei Geld hört die Freundschaft auf – im Neo Liberalismus alle mal!

Die Alten sollen würdig altern, doch wie ist das Möglich, wenn man von der Gesellschaft als überflüssig betrachtet wird. Man ständig das Gefühl bekommt, man würde den anderen zur Last fallen. Das ist die instrumentelle Vernunft, wie sie von der Frankfurter Schule in den 60er und 70er Jahren kritisiert wurde.

Es geht mir hier gar nicht um das Geld, wobei das natürlich schon ein Thema ist, aber eher als gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Alles wird der Wirtschaftsdoktrin untergeordnet – das Leben an und für sich. Man lebt um zu arbeiten, man lebt um voran zu kommen – was bedeutet Geld machen. Wofür – um sich ein möglichst schönes Leben zu bieten.

Senioren: Belastung für die Gesellschaft | Diskursänderungen

Inzwischen versuchen nun Geisteswissenschaftler das Altern positiver dazustellen, liegt es doch im Widerspruch zum Jugendkult unserer Kultur. Man versucht dabei die Senioren als produktive Menschen darzustellen, um in der Logik oder Vernunft der Gesellschaft zu bleiben. Es ist wirklich traurig, dass man produktiv sein muss, um in dieser Gesellschaft Respekt zu bekommen. Doch was Produktivität ist, bestimmt immernoch die Gesellschaft – nicht das Individuum.

So ist man heute also alt und eine Belastung, weil man Pflege braucht, weil man sein ganzes Leben produktiv war. War wie die Gesellschaft einen wollte und der Dank ist: ausgebrannt und gelagert bis zum Tod.

5. Oktober 2012 in Politik & Medien, Story-Kommentar, Wirtschaft

, , ,

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar