Poker-Gewinne müssen versteuert werden

Online-Pokerspielende aufgepasst: Die Einnahmen über das Pokern werden steuerpflichtig!

Jahrelang waren Pokergewinne doppelt attraktiv: Sie konnten dank Online-Events bequem von Zuhause aus verdient werden, außerdem waren sie steuerfrei. Durch einen aktuellen Beschluss des Bundesfinanzhofs müssen sich Pokerspieler nun mit dem ungeliebten Thema auseinandersetzen.

Poker Tisch

Bundesfinanzhof entscheidet im Sinne des Finanzamts

Die Online-Pokerszene boomt seit mittlerweile über zehn Jahren. Der Spaß am Spiel wird dabei maßgeblich von den Gewinnaussichten beflügelt: Aufgrund der großen Teilnehmerzahlen bei Online-Turnieren sind die Ausschüttungen entsprechend hoch, sodass vier- oder fünfstellige Gewinne auch für nichtprofessionelle Spieler durchaus möglich sind – an Erfolgsgeschichten mangelt es nicht. Natürlich gewinnt das Pokerhaus immer, wodurch sich die unzähligen Portale erklären.

Die Beliebtheit des Spiels erklärt sich von selbst, dazu kam bislang, dass die Gewinne auch noch steuerfrei waren. Doch damit ist es nun vorbei: Laut einer Gerichtsentscheidung werden Pokergewinne zukünftig steuerpflichtig sein. Die Ironie dabei: Die Argumentation der Richter folgt genau der Aussage, mit der Pokerspielende schon seit Jahren ihren Sport beschreiben – nämlich dass Poker nur zu einem kleinen Anteil mit Glück zu tun hat, sondern vor allem mit Können. Pokerspielende geben damit selbst zu, dass das beliebteste Kartenspiel der Welt keineswegs ein Glücksspiel ist – und genau deswegen ist die Entscheidung des Bundesfinanzhofs so gefallen.

Im logischen Umkehrschluss bleiben Lottogewinne weiterhin steuerfrei. Dort geht es schließlich ausschließlich um Glück, die Definition des Glücksspiels ist beim Lotto vermutlich noch besser erfüllt als bei sämtlichen anderen Glücksspielen. Dennoch verdient der Staat auch beim Lotto mit: Zwar sind die Gewinne steuerfrei, allerdings gehen knapp 17 Cent jedes investierten Euros an das Finanzamt. Und das macht sich gerade bei großen Jackpots bezahlt, denn wenn alle paar Monate das Lottofieber ausbricht, liegen die Einzahlungen pro Ziehung nicht selten bei über 100 Millionen Euro. In solchen Fällen verdient der Fiskus einen zweistelligen Millionenbetrag alleine in einer Woche – beim Poker existiert diese Einnahmequelle nicht, sodass die Versteuerung der Gewinne auch die einzige Möglichkeit ist, am Trendsport mitzuverdienen.

Unterscheidung zwischen Profis und Nicht-Profis

Allerdings gilt dieser Beschluss nicht uneingeschränkt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen professionellem und nichtprofessionellem Pokerspielenden. Wer regelmäßig über einen gewissen Zeitraum Gewinne einfährt, gilt als Profispieler und ist damit voll steuerpflichtig. Das vermeintlich traumhafte Leben als Pokerprofi wird dadurch zumindest ein wenig getrübt.

Einzelne Gewinne bleiben vorerst jedoch vom Finanzamt unangetastet, und auch das ist logisch, denn der Glücksanteil beim Poker ist zwar gering, aber vorhanden – einmalige Gewinne sind damit auch ohne professionelles Know-how theoretisch möglich. Zusammengefasst: Erfolgreichen Hobbyspielern wird Glück zugrunde gelegt, bei Serien-Siegern geht das Finanzamt von persönlichen Fähigkeiten aus.

Wie sieht es in anderen Bereichen des Glücksspiels aus?

Seit 2012 liegen auch Gewinne aus Spielshows in der steuerlichen Grauzone. So können Gewinne steuerpflichtig sein, falls die Teilnahme eine vertraglich vereinbarte Leistung ist. Dann nämlich fällt der Gewinn unter die Definition eines Entgelts. Ein Entgelt wiederum kann nicht unter Berufung auf die Glücksspielregelung als steuerfrei geltend gemacht werden. Wichtig ist allerdings auch die Art der Spielshow: So sind Gewinne aus der TV-Sendung „Wer wird Millionär“ bislang steuerfrei, da die Fragen derart breit gefächert sind, dass keine gezielte Vorbereitung möglich ist. Folglich spielt das Glück eine entscheidende Rolle – doch auch hier wird eine Änderung bereits erwogen.

Anders sieht es dagegen bei Spielshows aus, bei denen die Aufgaben im Vorfeld recht exakt festgelegt sind, beispielsweise bei körperlichen Aktivitäten oder Sportarten, wie sie bei Survival Games an der Tagesordnung sind.

Dasselbe gilt beim Reality-Format Big Brother: Dort muss der Sieger seinen Gewinn versteuern, da der Erfolg nichts mit Glück zu tun hat und das Preisgeld eine Gegenleistung für die Tätigkeit des Teilnehmers ist.

Fazit: Das deutsche Steuerrecht macht es auch Glücksspielern und Fans von Spielshows aller Arten nicht gerade einfach. Schon ohne Vorsatz können Gewinner unter den Verdacht des Steuerbetrugs geraten, und das gilt es zu vermeiden.

Es ist deswegen unbedingt ratsam, sich im Falle eines Gewinns genau zu informieren, ob die Summe versteuert werden muss oder nicht. Denn im ungünstigsten Fall wird erst einige Zeit später eine große Steuerzahlung fällig, die kaum noch geleistet werden kann, wenn das Geld schon nach freien Stücken ausgegeben wurde. Eine hohe Verschuldung wäre die Folge; einen früheren Big-Brother-Sieger hat das sogar in den Ruin getrieben – kürzlich meldete er die lange erwartete Privatinsolvenz an. Künftige Teilnehmende sollten solche Fälle als mahnendes Beispiel im Hinterkopf behalten.

Bildrechte bei Abhay Kumar via Flickr unter CC-Lizenz

17. Februar 2016 in Politik & Medien, Story-Kommentar

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