Verteidigungsetat erhöhen & Panzer kaufen?

Die Verteidigungsministerin hat angekündigt neues Kriegsmaterial anschaffen zu wollen, im Wert von 130 Milliarden Euro. Wofür so viele Panzer? Der Krieg hat sich geändert!

Die Verteidigungsministerin von der Leyen will rund 130 Milliarden Euro in neues Material für die Bundeswehr investieren, doch die Opposition sieht keinen Grund für diese Budget-Erhöhung. Das ist ein Plus von 50 Milliarden Euro. Angesichts dessen, was gekauft werden soll: Panzer in verschiedenen Formen und Variationen, bleibt die Frage wofür?

Spuerpanzer Bundeswehr

In Konkreten sieht die Anschaffung bis 2030 vor:

  • 248 (statt 217)  Fennek-Spähpanzer (Hersteller: KMW)
  • 101 (statt 89) Panzerhaubitzen (Hersteller: Rheinmetall)
  • 36 (statt 30) Marine-Hubschrauber (Sea Lion)
  • 59 schwere Transport-Hubschrauber
  • 320 (statt 225) Kampfpanzer (Leopard 2) – ein Plus von 95 Stück! (Hersteller: KMW und Rheinmetall)
  • 342(statt 350) Schützenpanzers Puma – eine Reduktion um acht Stück (Hersteller: KMW und Rheinmetall)
  • 196 alte Schützenpanzer des Typs Marder
  • 900 der älteren Fuchs-Transportpanzer
  • 400 neuere Boxer-Radpanzer

zu kaufen. Damit kauft die Bundesrepublik künftig vor allem Panzer, also Landeinheiten für eine Feldschlacht. In der Erklärung aus dem Verteidigungsministerium wird die Aufstockung mit der angemessenen Leistung für die Aufgaben erklärt.

Rein semantisch verteidigt die Bundeswehr die Bundesrepublik Deutschland – wir haben eine Verteidigungsministerin und ein Verteidigungsministerium. Tatsächlich sieht es mit den Auslandseinsätzen in vielen Ecken der Erde, eher nach einem Kriegsministerium aus. Ja, ich weiß, man hat die Aufgaben der Bundeswehr neu definiert, damit die Bundeswehr auch im Ausland tätig werden kann. Um die Sicherheit innerhalb der Grenzen zu sichern, wäre eine bessere Ausstattung der Polizei ratsam.

Aber wofür braucht man so viele Panzer? In einem konventionellen Krieg, wie man ihn zu Zeiten des Kalten Krieges erwarten hätte können – wäre dies durchaus von einem Sinn beseelt. Denn beide Seiten verfügten über reguläre Armeen. In einem solchen Krieg ist ein Panzer von Vorteil. Doch diese Kriege führen wir schon lange nicht mehr. Nicht erst seit Vietnam hat sich der reguläre Krieg mit seinen Regeln und Strategien und Materialien verabschiedet.

Aufklärungseinheiten verstehe ich bedingt noch, aber hilft ein Leopard-Panzer gegen einen Terrorangriff, gegen eine Bombe in einem Flugzeug, einem Selbstmordattentäter? Wohl kaum. Es ist eine Landwaffe zur Dominanz auf dem Schlachtfeld, aber Schlachtfelder gibt es nur noch selten. Wir reden heute von einem Asymmetrischen Krieg – wobei es keine offene Schlacht mehr gibt.

Beispiel: Würden die Taliban oder der „IS“ mit ihren aufgesetzten MGs auf einem Pickup, gegen die USA in eine Schlacht ziehen, würden die Panzer einen enormen Vorteil bieten; die Schlacht wäre binnen Stunden geschlagen. Doch diese Leute tun das natürlich nicht. Sie führen einen Partisanenkrieg, wie man früher sagte, was heute zumeist als Terror gilt. Übrigens waren die Terroristen in Afghanistan in den 80er Jahren noch Freiheitskämpfer und Partisanen – siehe Rambo 3 😉

Oder ist der Panzerkauf gegen Putin gerichtet? Denn mit Russland als Gegner könnte zu einer Schlacht auf einem Schlachtfeld führen. Weiß die Verteidigungsministerin mehr? Oder hat es eher finanzielle Gründe? Ein Schelm, der denken könnte, es hätte was mit gewissen Waffenexportverbotsüberlegungen zu tun. Alles reine Spekulation und die Rückkehr in einen kalten Krieg will ja keiner!

Tatsächlich sehe ich aber auch einen plausiblen Grund in der Anschaffung neuer Waffensysteme, nicht unbedingt von Landpanzern. Denn der Panzer ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Die heutigen Waffensysteme sollten zum Einen an die tatsächliche Gefahr angepasst werden und zum Anderen haben neue Waffensysteme den Vorteil, dass man nicht angegriffen wird.

Wenn ich Panzer habe und Du nur Kavallerie, ist es kaum zu erwarten, dass Du mich angreifst. Innovationen im Kriegshandwerk sind leider notwendig, das lehrt die Geschichte. Die Römer dominierten die „damalige Welt“ auf Grund ihres Militärapparates. Als dieser einbrach, brach auch das Imperium ein, darauf warteten die militärisch schwachen Germanen nur. Schon immer war es so, dass die bessere Waffentechnik, die anderen abhielt, respektive dazu antrieb, den schwachen Stamm in Notfällen zu überfallen. Vor allem aber die Synergie, die Zusammenarbeit verschiedener Kulturen hat die Technik am Häufigsten beflügelt.

Vielleicht bestehen die größten Chancen auf Frieden, wenn alle gleichstarke Waffen haben oder niemand eine 😉 Und aber das Gewaltmonopol läge bei der UN. Ach ja, die schöne Utopie!

28. Januar 2016 in Politik & Medien, Wirtschaft

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