Wenn man „wir“ sagt

Wir haben im Fußball gewonnen, wir sind im Krieg – wir… Wann sage ich sowas?

Ist es das „Wir“-Gefühl oder was bewegt Menschen dazu, sich einer Gruppe anzuschließen? Eine Identifizierung? Ein Mitmach-Wille? Ich kann es nicht genau sagen, doch frage ich mich oftmals, warum man „wir“ sagt.

Menschenmenge

Am wenigsten kann ich es verstehen, wenn Fußball– oder andere Sportfans sagen: „Wir haben gewonnen!“ und damit auf die Mannschaft verweist, deren Fan man ist. Da frage ich mich im Stillen immer: „Ach ja? Hast Du mitgespielt?“. Denn ich finde, man kann nur sagen, dass „wir“ gewonnen haben, wenn man mitgespielt hat.

Ich würde auch nicht sagen, dass wir in den Krieg nach Syrien ziehen – Deutschland zieht in den Krieg. Die Identitätsfrage in unserem Land empfinde ich übrigens nicht unbehaglich, sondern fortschrittlich. Es ist nicht Deutschland, womit ich mich identifiziere. Es ist vielmehr die Region oder Europa als solches, und damit meine ich das Europa der Menschen und weniger die EU. Nationalstaatlichkeit ist m.E. ein Ding des 20. Jahrhunderts – das 21. Jahrhundert wird deren Ende einläuten. Doch das wäre ein eigenes Thema.

Wenn an der Börse meine Aktien steigen, würde ich auch nicht auf die Idee kommen, zu sagen, wir haben dazu gewonnen und auf das Unternehmen verweisen, bei dem ich investiert bin. Ich habe dort zwar Geld reingesteckt, war jedoch weder an der Produktion, noch am Verkauf oder sonst wie an dem Unternehmen beteiligt. Also: Kein Wir Gefühl.

Ich finde man sollte die Worte mit mehr Bedacht wählen und der Einsatz des Wörtchens „wir“ gehört dazu. Beim Zuschauen oder nur Investieren, gibt es m.E. kein Wir Gefühl.

4. Dezember 2015 in Kultur & Zuhause, Politik & Medien, Story-Kommentar

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