Wo bitte geht’s nach Schwaben?

Das Land Baden-Württemberg wird oftmals fälschlicherweise als Schwaben bezeichnet. Wo ist heutzutage denn Schwaben?

Die Schwaben treten in der Antike in die Menscheitsgeschichte. Es sind Elbgermanen, die vermutlich ob des Klimawandels und Kriegen nach Süden flüchten. Dort trafen sie unter Ariovist auf die Römer, unter Caesar. Mal kämpfte man zusammen, mal gegeneinander. Damals gab es bereits ein kleines Schwaben, respektive ein von diesem Stammesverbund besetztes Land. Es war östlich des Rheins im heutigen Frankreich. Kein Mensch dort würde sich als Schwabe oder Schwäbin bezeichnen.

Wappen aus Wuerttemberg

Nach der römischen Eroberung des heutigen südwestdeutschen Raums ab 15 v. C., wurde ein Teil „Schwabens“ von den Römern besetzt und kultiviert. Danach kamen, vor allem ab dem 3. Jahrhundert, die Alemannen. Im Laufe des Mittelalters werden die Begriffe Schwaben und Alemannien zu Synonymen.

Aus Raetien und Germania Magna im südlichen Teil werden nach dem Sieg der Franken über die Alemannen Herzogtümer. Ja und die nächsten Jahrhunderte gibt es die Herzöge von Schwaben, Schwaben war unter ihnen geteilt worden. Ihr Gebiet umfasste das Elsass, den Schwarzwald bis zu den Anfängen des Inn hinter Chur, weit in der heutigen Schweiz. Im Nordosten reicht es bis Nördlingen und Augsburg liegt an der Grenze.

Viele Menschen, so meine Meinung, referieren auf diesen Schwaben-Definition. Und sicherlich teilweise zu Recht, aber ist man deswegen Schwäbin oder Schwabe?

Tatsächlich sind die alemannischen Adeligen in der Nacht der langen Messer in Cannstatt im 8. Jahrhundert ermordet worden. Das Herzogtum mit dem Titel von Schwaben starb im Mittelalter aus. Alle Versuche den Titel wieder zu etablieren schlugen fehl, obwohl der Titel von Schwaben oftmals als Beiwerk geführt wurde.

Andere Herrscher übernahmen, teils von den Habsburgern in Österreich. Man redete sogar vom österreichisch-schwäbischen Herzogtum. Doch dachte man in Österreich tatsächlich weniger daran und es kam auch zu Schicksalsschlägen und Kriegsverlusten. Das österreicherische Schwaben wurde weitgehend verpfändet.

Mit Napoléon und dem Wiener Kongress ändert sich Sie Landverteilung. Bayern, Württemberg, Baden und Hohenzollern können viel Land beanspruchen. Schwaben gibt es nicht mehr, faktisch schon lange nicht mehr. Gab es jemals Schwaben? Es ist ein Kulturraum.

Der König von Württemberg nannte sich zwar auch Fürst von Schwaben, aber eben nur als Beiwerk. Was ist denn jetzt Schwaben?

So ist heute, m.E., Schwaben dort zu finden, wo man schwäbisch spricht. Und auch wenn Augsburg geschichtlich mit Schwaben zu tun hat und sich (bayrisch-)Schwaben nennt, so redet man dort doch bayrisch und nicht schwäbisch. Augsburg ist nicht in Schwaben.

Die Schweiz, welche Schwaben sprachlich näher ist als Bayern, spricht von sich auch nicht als Schwaben. In jener Zeit als Augsburg noch schwäbisch war, war es die Schweiz auch.

Meiner teils nicht fachmännischen Meinung nach, geht Schwaben heute von maximal Heilbronn bis zum Bodensee, vom östlichen Schwarzwald bis maximal Günzburg. In diesem Gebiet spricht man (derzeit) schwäbisch in verschiedenen Formen.

Übrigens ist das Schweizer Deutsch dem Urschwäbischen näher, als beispielsweise der Dialekt bei Stuttgart.

3. Oktober 2015 in Kultur & Zuhause, Story-Kommentar

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One Response to Wo bitte geht’s nach Schwaben?

  1. Gretchen 6. Oktober 2015 at 20:42 #

    Augsburg stimm vielleicht, aber im Norden geht’s weiter..

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