Pflege in Deutschland im Notzustand

Altenpflege in Deutschland – Wenn Pflege selbstzerstörerische Ausmaße annimmt

Deutschland fehlen die Pflegekräfte in Krankenhäusern, Altenheimen und anderen Institutionen. Die vorhandenen Angestellten müssen versuchen den Mangel auszugleichen und stoßen dabei an ihre Grenzen und darüber hinaus.

seniorin im elektro rollstuhl

Mangel an Pflegekräften

Laut ver.di fehlen bundesweit etwa 80.000 Krankenpflegekräfte in Kliniken, was bedeutet, dass derzeit das Personal bereits am 24. oder 25. eines jeden Monats ihre vollen Stunden abgeleistet hat. Auch in der Altenpflege sieht es ähnlich drastisch aus. Hier fehlen in ganz Deutschland um die 63.000 Pflegekräfte. Die Angestellten in Krankenhäusern und Altenheimen arbeiten etwa 20 Prozent mehr als sie sollten, um die dringenden Aufgaben zu bewältigen und die Institution am Laufen zu halten. Dass sie dabei erheblichen Stresssituationen ausgesetzt sind, ist verständlich und wird dennoch häufig unter den Tisch gekehrt.

Pflegebedürftige Zuhause betreuen

Viele Angehörige entscheiden sich aufgrund solcher Aussichten dazu, ihre pflegebedürftigen Verwandten stattdessen Zuhause zu betreuen. Dort haben Sie laut dem Ratgeberportal pflege.de Anspruch auf Unterstützung aus der Pflegekasse und zudem, je nach Pflegegrad, Hilfe von ausgebildetem Pflegepersonal. Doch auch hier macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Viele Hilfskräfte kommen aus Osteuropa, um in Deutschland vermeintlich bessere Gehälter zu bekommen. Doch zum einen sind es nicht genügend, um unseren Mangel auszugleichen und zum anderen entstehen so Versorgungslöcher in ihren Heimatländern. Dazu kommt, dass auch bei der ambulanten Pflege die Arbeitssituation nicht entspannter ist als in Heimen. Die Angestellten stehen unter Zeitdruck, bekommen häufig die Fahrten nicht bezahlt und können so eine angemessene Versorgung ihrer Patienten nicht mehr gewährleisten.

Würdevolles Arbeiten fast unmöglich

Hinzu kommt, dass durch den Personalmangel viele Aufgaben zu kurz kommen. Patienten und Pflegebedürftige werden vernachlässigt und nicht so versorgt, wie sie es eigentlich bräuchten.  Das äußert sich beispielsweise dadurch, dass Patienten Druckgeschwüre bekommen, weil sie durch den permanenten Zeitmangel nicht so häufig umgelagert werden wie nötig. Bewohner von einigen Heimen werden durch Medikamente ruhiggestellt, Demenzkranke sogar teilweise nachts am Bett fixiert, um zu verhindern, dass sie herumlaufen und sich verletzen. Pflegekräfte schaffen es nicht mehr, ihre Aufmerksamkeit auf einzelne Bedürftige zu fokussieren. Doch nicht nur die Patienten und Bewohner leiden unter diesem extremen Personalmangel, auch die Pflegekräfte selbst erreichen ihre Grenzen.

Pflegekräfte leiden unter hoher psychischer und körperlicher Anstrengung

Fast drei Viertel aller Pflegekräfte ziehen es vor, in Teilzeit zu arbeiten. Das liegt zum einen daran, dass viele von ihnen Kinder zuhause haben, noch mehr allerdings daran, dass die körperlichen und psychischen Belastungen sehr hoch sind. Auch die Betreiber der Heime ziehen häufig Teilzeitkräfte vor, da diese günstiger sind. Dabei verdient eine Altenpflegekraft in Deutschland durchschnittlich nur 2.600 Euro, in Ostdeutschland sind es sogar häufig weniger als 2.000 Euro brutto.

Hinzu kommt, dass an den falschen Ecken gespart wird, wie beispielsweise am Küchenpersonal, sodass Altenpfleger sich neben ihren anderen Aufgaben auch darum kümmern müssen.

Diese harten Bedingungen führen bei den Angestellten oft selbst zu Krankheiten, wie starken Rückenschmerzen oder Depressionen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass fast jeder vierte Auszubildende abbricht und viele gestandene Pflegekräfte vorzeitig in den Ruhestand gehen.

Perspektiven für einen besseren Pflegeberuf

Trotz der schwierigen Voraussetzungen sagen viele Alterspfleger, dass sie ihren Beruf eigentlich mögen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn arbeitet derzeit an einem Sofortprogramm, um 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege zu schaffen. Zudem soll die Ausbildung arbeiterfreundlicher gestaltet werden und die Gesundheitsförderungen der Angestellten verbessert werden. Doch das wird vermutlich nicht reichen. Ver.di fordert bundesweite gesetzliche Vorgaben für die Personalausstattung in Altenheimen und Krankenhäusern. Zudem braucht es eine Verbesserung der Bezahlung sowie eine stärkere Tarifbindung.

Perspektivisch muss sich dringend etwas ändern, denn der Bedarf an Pflegekräften wird in den nächsten Jahren aufgrund der alternden Bevölkerungsentwicklung in Deutschland weiter ansteigen.

25. Juni 2018 in Story-Kommentar

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