Vorahnung KunstwerkVorahnung Kunstwerk

Das Finanzamt hat mein Konto gesperrt, hat die Steuer geschätzt und erhoben. Der Grund: Mein (ehemaliger) Steuerberater hat einfach keine Steuererklärung abgegeben. Er wusste davon, ich nicht, und als mein Konto gesperrt wurde, war er bereits in den Urlaub gefahren. Und seine Rechnung fiel auch nicht gerade mager aus.

Das ist die tatsächliche Geschichte, wie mein Steuerberater einen riesengroßen Mist auf meine Kosten gebaut hat. Möge es Euch da draußen eine Warnung sein, denn ich hörte, das ist gar nicht mal so selten.

Das Haus in der Straße am Stadtrand ist unscheinbar. Ein Auto in der Einfahrt, ein Stück Grün und ein Briefkasten für Geschäfte. Denn in dem Haus befinden sich die Räumlichkeiten des Steuerberaters. Eine wahre und fast unglaubliche Geschichte einer Steuerpfändung, von Zwangsgeldern, von Verletzungen der Meldepflicht und weiteren Ungeheuerlichkeiten, die mit einer satten Rechnung umrandet waren. Diese Zeilen entstehen auch aus Wut über eine ungewollte Abhängigkeit und der Ohnmacht gegenüber solchen Missständen.

Vorgeschichte zum Steuerberater

In jenen Tagen suchte ich schnell einen Steuerberater und der vielen Werbung wegen fiel das Los auf diesen Steuerberater, den ich namentlich nicht nennen darf. Der erste Eindruck war toll. Schnelle Reaktion, preislich akzeptables Angebot und freundlich war er auch noch. Die erste Steuererklärung war schnell erledigt. Das war im Jahr 2018. Damals musste ich noch Umsatzsteuer ausweisen, weshalb ich die Aufgabe einem “Profi” zugestand. Aber schon ab dem nächsten Jahr standen die Vorzeichen auf Rückkehr zum Kleinunternehmer.

Das Corona-Virus war 2019 noch nicht virulent, aber es gab einen persönlichen Vorfall im Hause des Steuerberaters. Der Steuerberater vertröstete mich, er würde es nicht schaffen. Ich sagte okay. Im Frühjahr, also fristgerecht, reichte ich meine Unterlagen im Steuerbüro ein. Es war offenbar, ich musste keine Vorsteuer mehr abführen, denn ich konnte mich wieder auf die Kleinunternehmer-Regelung beziehen.

In regelmäßigen Abständen fragte ich nach, wann die Steuererklärung kommen würde. Ich wurde jedes Mal vertröstet. Erst wegen persönlichen Belange, dann wegen Corona. Die Coronahilfen überforderten die Steuerberater landauf und landab. Ich verstand das Problem und akzeptierte, dass die Steuerrückzahlungen nicht sofort kommen. 2020 gab ich meine Steuererklärung wieder fristgerecht ab. Ich fragte nach, wann die Steuererklärungen fertig sein würden und die Antwort war. “Bald”. Noch diesen Sommer hieß es, noch diesen Herbst und 2021 stand vor der Tür. Ich verstand, dass die Lage verzwickt war und ließ mich hinhalten. Allmählich dämmerte mir, dass es mit dem Finanzamt Probleme geben könnte, aber ich erhielt nur Vertröstung, wenn überhaupt eine Rückmeldung kam. Eine Nachfrage wurde derart schnippisch beantwortet, dass es selbst durch die E-Mail zu vernehmen war. Eigentlich wollte ich mir das Geld sparen und es lieber selbst machen, doch ohne die Jahre zuvor wäre mir auch 2022 nicht möglich gewesen. Und ja, auch 2022 gingen keine Steuererklärungen im Finanzamt ein. Ich war erstaunt darüber, dass mein Steuerberater so viele Fristverlängerungen erhielt.

Finanzamt pfändet mein Konto

Es war an einem Samstag, als ich Post vom Finanzamt im Briefkasten hatte. Ich war überrascht, hatte ich doch gar keine Anfrage gestellt. Als ich die ersten Zeilen des Briefs las, zitterten meine Hände. Das amtliche Dokument informierte mich darüber, dass mein Konto gesperrt wäre. Das Finanzamt hatte das Konto gepfändet und das bedeutete konkret, dass ich überhaupt keinen Zugriff mehr auf das Geld darauf hatte. Die Zwangsmaßnahme war ergangen, weil ich über vier Jahre keine Steuererklärungen abgegeben habe. Die Wörter Zwangsgelder, Aufschläge und Pfändung blitzen aus dem Papier heraus. Es war ein finanzielles Desaster für mich. Bald würde ich feststellen, dass ein Betrag von fast 1.700 Euro bereits eingezogen wurde.

Nach hektischem Geblättere und schnellem Überfliegen mit pochendem Herz wurde deutlich, wo der Fehler lag. Mehrfache Mahnungen und Aufforderungen wurden ignoriert. Der ganze Vorgang schwelte bereits eine geraume Zeit, bis eine Feuerzunge hervorstach und mich paralysierte. Man kann sich vielleicht vorstellen, wie ich an jenem Wochenende auf heißen Kohlen saß. Der anfängliche Schock wich einem Unwohlsein. Eine Vorahnung der tatsächlichen Ausmaße breitete sich wie eine Seuche in meinem Kopf aus, die eine nächtliche Ruhelosigkeit verursachte. Ich fieberte dem Montag entgegen, um die Sache mit meinem Steuerberater zu erörtern.

Lange vor dem Wecker wurde ich an jenem Montagmorgen wach. Nur wenige Stunden war es mir vergönnt, abschalten zu können. Um Punkt 8 Uhr begann ich bei meinem Steuerberater anzurufen. Doch es ging niemand ran. Also musste ich persönlich vor Ort erscheinen. In Rekordzeit legte ich die Strecke zurück und traf auf unbekannte Gesichter.

„Ich suche Herrn [Steuerberater]. Ist der da?“, fragte ich durch das offene Fenster.

„Nein, der ist nicht da“, war die Antwort. Und es schien, sie glaubten, das Gespräch hätte sich damit erledigt.

„Kann ich mit Ihnen reden, es ist wichtig!“, sagte ich noch recht ruhig.

Ich schilderte den Angestellten meine Lage: Ich versuchte die ganze Geschichte aufzudröseln: Das mit dem Brief von Finanzamt, die Kontosperrung und die große Frage, wieso ich davon nichts wusste. Der Angestellte wusste ebenfalls von nichts und konterte: „Der [Steuerberater] ist im Urlaub!“

Der zweite Stein der Mauer des Vertrauens löste sich und knallte mit einem dumpfen Schlag auf meine Füße. Ich zeigte den Brief des Finanzamts vor, der kopiert wurde. Ich forderte, man möge ihn im Urlaub anrufen. Doch es ging niemand ran. Ich forderte, man möge ihm eine Mail schreiben, mit dem dringenden Wunsch nach Rückruf. So geschah es und ich zog unverrichteter Dinge des Wegs. Nicht ganz unverrichtet, denn ich konnte über die Schulter des Angestellten einen Blick auf meine Akte werfen. Es waren zahlreiche Briefe des Finanzamts, die mir nicht weitergeleitet wurden. Kein Wort, keine E-Mail, keine Einlassung des Steuerberaters dazu. Ich ging nach Hause und erwartete den Anruf des Steuerberaters, der wie selbstverständlich nicht kam. Aber man musste etwas tun und so klingelte ich beim Finanzamt durch.

Schock um Schock: Telefonat mit dem Finanzamt

Ich schilderte dem Herrn vom Finanzamt meinen Fall. Doch der gute Mann verwies darauf, was ich mir bereits dachte: Aus deren Sicht bin ich verantwortlich. Ich müsste das mit meinem Steuerberater klären. Nur einen Tipp bekam ich: „Schicken Sie mir zumindest einen Anfang einer Steuererklärung – am besten gestern. Dann reichen Sie später eine Korrektur ein.“

Ich war überfordert mit der Situation. Ich wusste nicht, wo ich was anfangen sollte. Einfaches Denken verblasste hinter dem nachhaltigen Schock, der immer mehr Sicht auf das Desaster freigab. Ich war den Tränen nahe. Ich wiederholte, dass ich nicht informiert wurde. Das zu glauben fiel dem Herrn vom Finanzamt schwer, denn er zählte Daten auf, an denen der Steuerberater über die damals noch bevorstehenden Maßnahmen informiert wurde. Mahnung um Mahnung seien ergangen, bevor er schließlich die Pfändung veranlasste. Es gäbe, so führte er aus, Zustellungsbelege. Das sei der Beweis, dass der Steuerberater alle Mahnungen erhalten habe. In meinen Kopf wiederholte ich: ‚Davon wusste ich nichts!‘

Prompt erwähnte der Herr vom Finanzamt, dass diese Steuerberater gar nicht mehr für mich zuständig sei. Deshalb habe ich ja den Brief mit der Zwangsmaßnahme erhalten und nicht er. Denn gemäß seinen Unterlagen, sagte der Herr vom Finanzamt, habe der Steuerberater das Mandat niedergelegt.

„Das Mandat niedergelegt?“, fragte ich mehr verärgert als geschockt. Ein weiterer Stein brach aus der Mauer und drohte meinem Herzen die Luft zu nehmen. Wieder bin ich auf das Rad gestiegen und strampelte erneut in kürzester Zeit zum Büro des Steuerberaters. Von einer Mandatsniederlegung wusste man dort nichts. Erneut sollte der Steuerberater im Urlaub angerufen werden, wieder erfolglos. Eine Mandatsniederlegung wäre in dem Fall meines Erachtens zur Unzeit erfolgt, was mich absolut dazu verleitet hätte, einen Rechtsstreit vom Zaun zu brechen.

„Krass“, tat auch der Angestellte des Steuerberaters seiner Verwunderung kund: „Und dann fährt der Steuerberater in den Urlaub.“ Doch bezüglich des Mandats musste der Angestellte dem Finanzamt widersprechen.

In einem späteren Brief vom Finanzamt war ein Beleg für die Mandatsniederlegung beigefügt, doch dieser Beleg war nicht wirklich aussagekräftig. Ich weiß bis heute nicht, wie der Herr vom Finanzamt eine Mandatsniederlegung darin sehen konnte. Das Mandat hatte der Steuerberater faktisch und belegbar nicht abgelegt. Erneut kramte der Angestellte in meiner Datei und fand weitere Dokumente, die ich noch nie sah, aber an mich adressiert waren. Darunter auch der Einzug von Geldern. Eine Information, die ich zu dem Zeitpunkt nicht verarbeiten konnte und die mir der Steuerberater beim nächsten Zusammentreffen auch nicht offenbarte.

Inzwischen wurde mir klar, dass der Steuerberater seine Mitteilungspflicht nicht nur missachtete, sondern ganz offenbar sträflich vernachlässigt hatte. Ich hoffte, das würde sich alles aufklären – quasi über Nacht. Am nächsten Morgen hatte ich tatsächlich Post vom Steuerberater in meinem E-Mail-Fach. Er habe dem Finanzamt eine vorläufige Erklärung geschickt und habe seinen Angestellten angewiesen, am nächsten Tag beim Finanzamt nachzufragen, ob es angekommen war. Die Erklärung war beim Finanzamt eingegangen, wie ich mich lieber doch selbst erkundigte. Spaßeshalber wollte ich es doch aber auch von der Steuerberaterkanzlei wissen, wie der diesbezügliche Wissensstand sei. Die Antwort war lapidar: „Ach, wissen Sie, das bringt doch auch nichts, wenn ich da anrufe.“ So brachte die Angestellte den Kern des ganzen Pudels auf den Punkt.

Dann erhielt ich die zahlreichen Mahnbriefe vom Finanzamt in Kopie, die bereits vor Monaten und Jahren an meinen Steuerberater gingen. Amtliche Dokumente, gespickt mit Androhungen der Pfändung, der Bezifferung der Kosten im mittleren dreistelligen Bereich und Zustellungsurkunden über die Bekanntmachung. Der einzige, der nichts davon wusste, war ich – der Betroffene. Diese Seiten durchzublättern war, als wäre ich einem fremden Ich auf der Spur. Womöglich in einer Parallelwelt. Es fühlte sich so unwirklich an, aber das sollte sich bald ändern.

Treffen mit dem Steuerberater und die Frage der Rechnung

Auf die Frage, wie es denn so weit kommen konnte, verwies der Steuerberater auf eine Angestellte, die offenbar Fehler machte und bereits entlassen worden sei. Erst später konkretisierte er diese Aussage. Damit konnte man es einordnen: Das war 2019. Doch das erklärt bis heute nicht die drei Jahre danach. Die Kündigung der Angestellten, so der Steuerberater, verursachte einen Arbeitsstau. Ich überreichte ihm die Zustellungsurkunden der Androhungen des Finanzamts. Das tat er mit einer Entschuldigung ab. Das Mandat, so der Steuerberater, habe er nicht niedergelegt, da habe sich das Finanzamt geirrt.

Tatsächlich reichte er kurze Zeit später alle Erklärungen für alle Jahre ein. Er bemerkte, er würde mir alle Kosten erstatten, die mir entstanden wären. Das klang freundlich, ist aber rechtlich verpflichtend. Meine eventuellen Kosten, hätte ich auf das Konto zugegriffen, waren schwer zu beziffern, weshalb ich ihn aufforderte, bei der Rechnung einen Rabatt einzufügen. Doch von einigen Kosten wusste ich noch nichts. Ich hoffte ja noch auf eine Rückzahlung.

Dann kam auch schon die Rechnung des Steuerberaters. Etwa 4.000 Euro sollten beglichen werden. Allerdings gab er mir einen Rabatt für die Jahre 2019 und 2020. Für diese problematischen Jahre musste ich die Dienstleistung nicht bezahlen. Doch für die nach seiner Aussage schnell erarbeiteten Erklärungen hatte er mit der übrigen Summe einen guten Stundenlohn. Allein die Kosten für die Abgabe von leeren Blättern, die Umsatzsteuererklärungen, betrugen bereits fast 100 Euro.

Dafür bekam ich mein Zwangsgeld wieder. Aber selbstverständlich nicht alles. Von den 1.700 Euro wurden mir 1.400 erstattet. Die Differenz sollte ich zurückerhalten, aber damit wurden des Steuerberaters Rechnungen verrechnet. Am liebsten hätte ich ihm die Zeit des Grams, die Aufregungen, die Telefonate, die schlaflosen Stunden in Rechnung gestellt.

Allmählich trudelten die Steuerbescheide des Finanzamts ein. Da fehlte nur noch ein Beleg, der vom Anfang. Ich fragte beim Steuerberater nach. Da wird nichts mehr kommen, ließ er mich wissen und die gezahlten Vorsteuerbeträge sind weg. Ich würde also nichts mehr zurückbekommen. Das Finanzamt hatte die Steuern geschätzt und festgesetzt. Die Widerspruchsfrist war schließlich schon vor Jahren verstrichen. Daran war die Angestellte ja schuld.

Es kann nicht sein, dass man in Deutschland darüber keinen Bescheid erhält. Also habe ich beim Finanzamt angerufen. Die waren überrascht, dass es noch nicht fertig war. Zuletzt flatterte auch dieser Bescheid ins Haus. Doch darin war kein Wort von dem Einbehalten der Steuer. Erst auf eine weitere Nachfrage bekam ich dann dieses Dokument per PDF von meinem Steuerberater.

Jetzt fehlt mir nur noch die schriftliche Versicherung, dass es keine mir unbekannten Dokumente mehr gibt. To be continued? Oh man …

2 Gedanken zu „Wenn der Steuerberater Mist baut“

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